Diskussion:König von Atlantis (Zyklus)

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Zyklus-Analyse

Zyklus-Analyse 1

Neues aus Atlantis

Werner Fleischer spricht sich für eine differenzierte Analyse des Atlantiszyklus aus

Christian Matz beschäftigte sich in der jüngsten Ausgabe der PRP[1] ein wenig mit dem sogenannten Atlantiszyklus[2] der innerhalb der Heftromanserie Atlan von 1977 – 1981 veröffentlicht wurde. Mit seinem Artikel zeigt Christian Matz an mehreren Stellen unfreiwillig auf, wie wichtig es wäre, wenn es eine unabhängige literaturwissenschaftliche[3] Auseinandersetzung mit der Perry-Rhodan-Serie und ihren Nebenprodukten (Atlan, Perry-Rhodan-Taschenbücher, Silberbände, etc.) jenseits von VPM und der PRFZ[4] geben würde. Diese Auseinandersetzung mit einem über 40jähigen literarischen Phänomen ist mehr als überfällig, schon alleine unter dem Gesichtspunkt, dass schon heute nicht mehr alle Zeitzeugen leben. Derzeit sind jedoch an den Universitäten und dem sekundärliterarischen Bereich kaum Tendenzen erkennbar sich auf das dankbare Forschungsobjekt Perry Rhodan zu stürzen. Das ist umso bedauerlicher, da es innerhalb der Historie des Gesamtphänomens mehrere weiße Flecken gibt. Einer dieser Flecken, um den sich mehrere nicht stichhaltige Legenden ranken ist der Atlantiszyklus.

Christian Matz versucht in seinem Artikel zunächst zu belegen, das es sich bei dem Atlantiszyklus um einen Versuch gehandelt hat, die Fantasy mit Hilfe der Science-Fiction in der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn der 70iger Jahre populär zu machen. Dies ist zwar ein mutiges Unterfangen, er unterschlägt jedoch, dass es bereits einige erfolgreiche Vorläufer der Fantasy in Deutschland gab, die zu diesem Zeitpunkt bei einem breiten Publikum weitaus bekannter und beliebter als die Serien Perry Rhodan und Atlan waren.

So lässt sich beispielsweise das zweibändige Romanfragment »Ardistan und Dschindistan«[5] des Radebeuler Schriftstellers Karl May eindeutig der Fantasy zuordnen. Mays Helden, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar bewegen sich in diesem Roman innerhalb einer imaginären Welt, Sitarta, die nicht mehr mit der Erde des späten 19. Jahrhunderts vergleichbar ist. Es ist zwar richtig, dass dieser Roman bei weiten nicht die Auflagenzahlen von Mays sonstigen Reiseerzählungen erreichte, jedoch führte er zum ersten Mal 1907/09 einem Publikum vor Augen wie Fantasy funktionieren kann. Interessanterweise wurde die Erstveröffentlichung von Tolkiens Roman »Der Herr der Ringe« 1970 gleich von mehreren Kritikern[6] mit den Werken Karl Mays verglichen. Im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft erschien hierzu 1981 ein umfangreicher Artikel[7], der sich mit möglichen Einflüssen von Karl May auf den britischen Autor J.R.R. Tolkien auseinandersetzte.

Auch viele Werke des französischen Autors Jules Verne tragen unverkennbar den Stempel der Fantasy. Vernes Werke sind darüber hinaus oftmals ein Phänomen das Christian Matz in seiner Betrachtung als Schnittmenge zwischen „Fantasy“ und „Science-Fiction“ bezeichnet. »In 80 Tagen um die Welt« ist sicherlich ein gut geschriebener Abenteuerroman von Jules Verne, seine Geschichte „Von der Erde zum Mond“ und die anschließende Fortsetzung »Reise um den Mond« sind hingegen der „Science-Fiction“ zuzuschreiben. Für einen der bekanntesten Romane Jules Verne »Reise zum Mittelpunkt der Erde« trifft eine eindeutige Einteilung jedoch nicht mehr zu. Hier vermischt der Autor erfolgreich die Grenzen von Science-Fiction-, Abenteuer- und Fantasyelementen zu einem seiner faszinierendsten Romane.

Das Genre „Fantasy“ war Anfang der siebziger Jahre ein aktuelles Thema, dem sich in der Bundesrepublik Deutschland mehrere Verlage widmeten. Sehr erfolgreich war hierbei z.B. das auflagenstarke Comicmagazin Kobra[8][9]. Innerhalb dieser Heftreihe erschien u. a. die englische Comicserie »Trigan« von Don Lawrence. Trigan lässt an mehr als einer Stelle eine deutliche Ähnlichkeit zur Welt des Neuen Atlantis erkennen, einer Welt, die Atlan und sein neuer Freund Razamon ab Heftnummer 300 der Atlanserie kennen lernen sollten. Bei Trigan handelt es sich um eine Comicserie die einerseits zur Zeit des römischen Reiches zu spielen scheint, auf der anderen Seite jedoch mit Raumschiffe und Computer über einen hohen technischen Stand verfügt und damit beim Betrachter und Leser einen widersprüchlichen Eindruck hinterlässt. Ähnliche Verhältnisse treffen wir ab Juni 1970 auf dem Weltenfragment „Pthor“ vor, das zunächst für einen Teil von Atlantis gehalten wird. Wie einige Jahre später innerhalb der Heftromanserie »Atlan«, insbesondere im Atlantiszyklus (Band 300 – 499) lernen wir bei Trigan darüber hinaus Monster, Zauberer und viele andere Zutaten kennen, die ein Fantasyprodukt auszeichnen. Als kleine Anmerkung sei noch bemerkt, das Trigan seinen ersten Auftritt in der Bundesrepublik, hier jedoch noch unter dem Namen »Trigo« 1971 innerhalb der Heftreihe »Super«[10] im Moewig-Verlag hatte. Es ist anzunehmen, dass auch die Perry-Rhodan-Autoren Kenntnis von der Veröffentlichung erhielten.

Mitte der 70iger Jahre lasen Kinder und Jugendliche »Kobra«, Studenten fanden es im Prinzip immer chic den »Herr der Ringe« zu lesen um „in“ zu sein und mitreden zu können. Tolkiens Werk »Der kleine Hobbit« war seit 1956 ein gern gelesenes Kinderbuch und hatte es gerade geschafft bei DTV veröffentlicht zu werden. Die Werke Jules Vernes erhielten zu diesem Zeitpunkt eine erneute Renaissance durch eine sehr schön aufbereitete Reihe innerhalb der Fischer-Taschenbücher. Germanisten näherten sich unter dem Einfluss von Arno Schmitt und der Karl-May-Gesellschaft dem Ardistan und Dschindistan Karl Mays. Natürlich dürfen in diesem Zusammenhang auch die Veröffentlichungen von »Conan« durch den Heyne-Verlag nicht verschwiegen werden.

In der Literatur jenseits der so genannten „Trivialliteratur“, zu diesem Zeitpunkt oft noch als „Groschenliteratur“ oder „Schundliteratur“ bezeichnet, war Fantasy als Spielart der fantastischen Literatur angekommen. Die Trivialliteratur, insbesondere in der von Männern bevorzugten, drehte sich zu diesem Zeitpunkt um die großen Themen „Krimi“[11], „Krieg“[12] „Western“[13] und „Science-Fiction“[14]. Horrorromane gab es zwar auch schon, jedoch war dies innerhalb des Heftromans ein relatives neues Genre mit dem eifrig experimentiert wurde und das saftige Gewinne versprach. Interessanterweise starteten fast zeitgleich im Heftroman[15]- wie im Comicbereich[16] mehrere klassische Horrorreihen.

Im Gegensatz zu den oben genannten Themen war Fantasy Anfang bis Mitte der siebziger Jahre in Deutschland kein Thema für die großen Heftromanverlage der Bundesrepublik. Weder Bastei, noch Marken, Kelter oder Moewig hatten Serien dieses Zuschnitts in ihrem Programm.

Dies sollte sich ändern, als 1973 im Moewig-Verlag die Entscheidung fiel, für das Massenpublikum eine Fantasyreihe zu veröffentlichen. Der damalige Chefredakteur des Verlages G.M. Schelwokat konzipierte ursprünglich diese Reihe, die nicht zu Unrecht den Untertitel trug „Die erste deutsche Fantasy-Serie“. Die Betonung liegt hier jedoch eindeutig auf dem Begriff „Serie“. An dieser Reihe schrieben folgende Autoren mit: William Voltz, Ernst Vlcek, Hans Kneifel, Hugh Walker, Peter Terrid, H.G. Ewers und Clark Darlton. Bis auf Vlcek und Walker[17] arbeiteten alle Autoren auch am Atlantiszyklus mit. Dar ursprüngliche Konzept wurde letztendlich von William Voltz durch eine dreibändige Science-Fiction-Story[18] ergänzt, die in der Folge zu einer starken Belastung für die Serie werden sollte.

Es hat sicherlich eine Vielzahl von Gründen gegeben, die dazu geführt haben, das Dragon 1975 mit der Nummer 55[19] eingestellt wurde. Die Gründe können hier an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden, jedoch möchte der Verfasser hier an dieser Stelle den Scheinwerfer kurz auf die oftmals lieblos und dilettantisch wirkenden Titelbilder[20] der Serie werfen. Das Titelbild hat für den Käufer einer Heftromanserie eine nicht zu unterschätzende Wirkung. In diesem Zusammenhang ist es dem Verfasser bis heute nicht klar welchen Zweck Moewig mit diesen Titelbildern verfolgt hat – oder gab es zu diesem Zeitpunkt keine besseren Zeichner in Deutschland die bereit waren für »Dragon« Titelbilder zu entwerfen.

Die Einschätzung von Reinhold Krämer, das Leseinteresse sei überschätzt worden (von Matz nach AGB (Archiv für Geschichte des Buchwesens zitiert) ist m. E. nach mit Vorsicht zu bewerten, übersieht er doch das 1974 mit der Taschenbuchreihe „Terra Fantasy“ eine langjährige Serie auf dem Markt erschien, die in zwei Auflagen erschien und es in der Folge auf mehr als 90 Bände brachte. Eine andere Sicht der Dinge vermittelt uns Hugh Walker[21] in seinen Artikel »Dragon –Erinnerungen und was sonst noch übrig ist«[22], indem er schreibt: „Meines Erachtens hängt es nur bedingt mit dem Inhalt zusammen, dass die Serie es dann doch nur bis Band 55 geschafft hat. Für die meisten Autoren der Dragon-Serie war Fantasy Neuland. Sie waren in der Hauptsache Science-Fiction-Autoren, die sich schwer taten mit dem Konzept von Schwert und Magie, und erst lernen mussten mit dem Genre umzugehen.“ Letztendlich findet jedoch auch Walker keine Antwort für die Einstellung der Serie. Hierzu schreibt er weiter unten: „Wir haben nie erfahren, welche roten, oder nicht genug schwarzen Zahlen die Verlagsleitung veranlassten, Dragon im April so abrupt einzustellen“.

Der Möglichkeiten was zur Einstellung von Dragon führte gibt es viele, fest steht jedoch, dass es einen Markt für dieses Segment gab, es musste nur noch die richtige Umsetzung gefunden werden. Aus der Erfahrung, dass erfahrene Science-Fiction-Autoren nicht unbedingt schon routinierte Fantasy-Autoren sind musste im Umkehrschluss eine Tugend werden. Was bot sich eher als eine Mischung dieser beiden Literaturwelten?

Eine Möglichkeit für den Neustart einer Fantasyserie mit Science-Fictionelementen bot sich im Juni 1977 innerhalb der Atlanserie an. Im Namen Atlan steckte bereits durch die Assoziation zum untergegangenen Kontinent „Atlantis“[23] des Perry-Rhodan-Universums eine mögliche Verbindung zur Fantasy. Bereits innerhalb der Serie »Dragon« spielte Atlantis[24] eine bedeutende Rolle. Zudem beschäftigt die Geschichte vom untergegangenen Kontinent seit der ersten Niederschrift durch den griechischen Philosophen Platon[25] die Köpfe der Menschen bis heute so sehr, das es fast unmöglich sein dürfte die vorhandene Sekundärliteratur zu diesem Thema zusammenzutragen.

Wir dürfen an dieser Stelle den Blick über den Tellerrand jedoch nicht aus den Augen verlieren. Zum einen war mit Erich von Däniken in den frühen siebziger Jahren ein Autor populär der es schaffte durch oftmals spektakuläre Bücher, mit sehr gewagten Thesen über mögliche Besuche aus dem Weltall, das Augenmerk seiner Leser auf Themen wie das Bermuda-Dreieck oder Atlantis zu werfen. Und Däniken war nur einer von vielen Autoren, die zu diesem Zeitpunkt mit solchen Themen Hochkonjunktur hatten. Die Vorstellung, dass plötzlich über das Bermuda-Dreieck Außerirdische die Erde besuchen könnten oder Atlantis gefunden würde, beherrschte Mitte der 70iger Jahre neben den großen Zeitungen der Boulevardpresse wie Bild und Express auch die sogenannte seriöse Presse.

Dem Pabel-Moewig-Verlag war plötzlich Konkurrenz aus einer ganz unerwarteten Ecke entstanden. Im Kölner Marken-Verlag[26] wurden ab 1974 die Romane der Reihe »Zeitkugel« veröffentlicht. Die Reihe war eine zunächst geschickte Mischung aus Reisen der Protagonisten in die Zukunft[27] und Vergangenheit[28] der Erde. Dieses Konzept wurde ab Roman 25 zugunsten reiner Reisen in die Vergangenheit aufgegeben. Bereits vorher waren immer schon Fantasyanklänge in den Romanen zu bemerken gewesen. Dies verstärkte sich in den folgenden Romanen, insbesondere bei Themen, die von Natur aus sehr spekulativ waren, wie z.B. die Sintflut. Zuweilen trafen die Zeitreisenden auch mit Außerirdischen zusammen, die auf der Erde gestrandet waren. Die Reihe »Zeitkugel« zählt sicherlich mit 90 Romanen und 40[29] Heften der Nachfolgereihe »Erde 2000« zu den langlebigsten[30] Science-Fiction-Serien der Bundesrepublik mit denen ein anderer Verlag versuchte dem Marktführer einiges an Leserschaft abzuwerben.

Innerhalb der Atlanreihe hingegen wurde ebenfalls ab dem zweiten Atlanzyklus »Held von Arkon«[31] erfolgreich mit diversen Fantasyelementen[32] experimentiert. Michael Thiesen schreibt hierzu: „Schon im Vorgängerzyklus »Der Held von Arkon« hatte eine exotisch-abenteuerliche Handlung vor dem feudalistischen Hintergrund des Großen Arkonidischen Imperiums gestanden, in der sich ohne Mühe auch die irrationalen Elemente der Fantasy entdecken liessen.“ William Voltz, der damalige Exposeredakteur hatte die steifen Vorgaben seines Vorgängers Karl-Herbert Scheer[33] über Bord geworfen und der Atlanserie mit einem Mix von Science-Fiction, Märchen- und Fantasyelementen erfolgreich neues Leben eingehaucht. Unter die letzteren Elemente fallen z.B. das Lebenskügelchen, das Ausgraben und Wiederbeleben von Atlans Vater, das nie geklärte Verschwinden von Akon-Akon oder die Welt der Varganen. Fantasy und Science-Fiction scheinen für William Voltz kein Widerspruch gewesen zu sein. Der zweite Atlanzyklus krankte jedoch spätestens seit 1976 unter ganz anderen Problemen. Zum einen war die Handlung viel zu sehr in die Länge gezogen, zum anderen zeigte sich durch das Verlassen der Haupthandlung und das Abdriften in die Welt der Varganen , dass der Rote Faden zunehmend für den Leser verloren gegangen war. Als weiterhin erschwerend kam hinzu, das sowohl die Handlung um das verborgene Akon wie auch die groß angelegte und letztendlich abgebrochen Schilderung des Wirkens der MdI in der arkonidischen Vergangenheit mehr Fragen als Antworten beim Leser hinterlassen haben. Es war an der Zeit das etwas passieren musste.

Heftromane werden von Autoren geschrieben, von Redakteuren redigiert und von Verlegern herausgegeben. Letztendlich sind es kaufmännische Entscheidungen, die über einen weiteren Verlauf entscheiden. Peter Terrid gab 1996 in einem Interview zu Protokoll das die Entscheidung für den Atlantiszyklus weder von William Voltz noch von G.M Schelwokrat getroffen wurden, sondern von Kurt Bernhard: „Der Atlantiszyklus geht nach meiner Erinnerung eindeutig auf eine Entscheidung von Kurt Bernhard zurück. Dragon war eingestellt worden und Kurt Bernhard war der Meinung: Deutschland ist reif für Fantasy. Und bei Fantasy müssen wir Atlantis haben – also Atlan geht nach Atlantis.“[34]

Die älteste mir bekannt gewordene Einschätzung zum Atlantiszyklus stammt von Klaus N. Frick. Klaus N. Frick schrieb als junger Fanzineredakteur[35] hierzu: „Ein weiterer, wenn auch indirekter Versuch Fantasy zu lancieren, wurde 1977 gestartet. In der Atlan-Serie begann der Atlantis-Zyklus, der 200 Hefte hindurch anhielt. Auch dieser war konzeptionslos aufgebaut, denn innerhalb einer reinen Science-Fiction- Reihe plötzlich mit Magiern und Hexerei aufzuwarten, nicht zuletzt auch mit Odinsöhnen oder auch Drachen, das erschien vielen Lesern als zuviel verlangt.“

Der angesehene Perry-Rhodan-Kritiker und William-Voltz-Jünger Robert Hector[36] schrieb hierzu[37] „Im Juni 1977 – Fantasy-Romane waren zu diesem Zeitpunkt in Deutschland sehr beliebt – startete der Verlag diesen Großzyklus. Bereits in den ersten hundert Heften der Perry- Rhodan-Serie berichtete der Arkonide aus seinen Erinnerungen, dass vor 10.000 Jahren im Atlantik ein Kontinent namens Atlantis existierte. Nun wollte man sich wieder dieser Thematik annehmen, zumal die Veröffentlichungen über Atlantis immer zahlreicher wurden.“ Rüdiger Schäfer schreibt 8 Jahre später[38] „1977 erreichte man den Jubiläumsband 300. Zu dieser Zeit lagen Fantasy-Romane und artverwandte Themen, so z.B. Berichte um die Geheimnisse des versunkenen Kontinents Atlantis (das bekanntlich im Hinblick auf die Person Atlans ohnehin eine wichtige Rolle gespielt hatte), voll im Trend“. Während Schäfer sich an Hector orientiert und seine Einschätzung übernimmt, gehen Traugott Bösche und Winfried Czech gehen in ihrem Artikel »Heftromanserien in Deutschland (3): Nach 850 Bänden das Aus!«[39] noch einen Schritt weiter indem sie schreiben: „Dann erfolgte ein rigoroser Einschnitt. Ab Band 300 verschlug es den Arkoniden in das sagenumwobene Atlantis. Es war sicher keine schlechte Idee, sich dem Thema Atlantis zu widmen, hatte dieser Kontinent doch bei Atlans ersten Kontakten mit der Erde eine so bedeutende Rolle gespielt und übt auch heute noch einen nachhaltigen Einfluss auf die Phantasie vieler Zeitgenossen aus. Allerdings wurde plötzlich aus reiner SF pure Fantasie. Das verschreckte zweifellos viele SF-Fans, wenn es auch die Fantasy-Freaks band“.

Dieser Spagat war sicherlich auch den Verantwortlichen bei VPM bewusst, denn bereits frühzeitig verwies William Voltz innerhalb der Leserkontaktseite auf eine Rückkehr der Science-Fiction. Bereits frühzeitig wurde weiterhin von ihm angedeutet[40], das mit den Figuren „Sinclair-Kennon“ und „Algonkin Yatta“ zwei Handlungsträger des »Held von Arkon«-Zyklus in die Serie zurückkehren würden. Voltz spielte gedanklich stark mit der Symbiose von Fantasy und Science-Fiction. Erfahrungen für diese Symbiose hatte er bereits als Verantwortlicher für die Comicreihe »Perry – Unser Mann im All«[41] gesammelt. Er hat sich wohl auch sehr früh Gedanken über das Verhältnis dieser beiden Genres zueinander gemacht haben. Dies sah in seinen Planungen wohl zunächst einen hohen Fantasyanteil, der zunehmend von der Science-Fiction zurückgedrängt werden sollte.[42] Diese Planung, die sich auf dem Papier gut las, sollte sich im späteren Verlauf des Zyklus als ein großes Problem des Zyklus erweisen und die Serie innerhalb der 400er Bände in eine große Krise stürzen.

Es hat den Anschein, das Voltz den Atlantiszyklus anfangs sehr umfassend konzipiert hat[43]. Auch wenn sich heute kein Rahmenexpose finden lässt, so hatte Voltz, jedoch durch eine von Horst Hoffmann für den Atlanroman 300 „Das neue Atlantis“ gezeichnete Karte[44] von Pthor, ein ausgezeichnetes und unentbehrliches Hilfsmittel an die Hand bekommen. Diese Karte, war Gold wert, verhalf sie doch dem Exposeredakteur zu einer seiner gelungensten Leistungen. Voltz konnte anhand der Karte die Route von Atlan und Razamon festlegen und den Leser gleichzeitig die Möglichkeit geben die Odyssee der beiden minutiös verfolgen zu können. Gleichzeitig war er als Exposeredakteur gezwungen sich sehr intensiv mit dieser Welt auseinanderzusetzen, denn jeder Leser wollte natürlich wissen, was sich hinter so spannenden Begriffen wie der „Straße der Mächtigen“, dem „Blutdschungel“ oder der „Feste Grool“ verbarg. Voltz kam gar nicht umhin seine Helden quer über die Welt von Pthor zu schicken. Dies führte in der Folge dazu, dass keine andere Welt innerhalb des Perry-Rhodan-Universums mit Ausnahme von Terra und eventuell Arkon so ausführlich geschildert wurde wie Pthor. Durch die Anlage des Zyklus war Voltz gezwungen sich im ersten Drittel (Band 300 – 376) fast ausschließlich mit diesem Handlungsplatz zu beschäftigen, der die Größe der iberischen Halbinsel aufwies. Hierdurch empfiehl das von ihm und seinen Autoren geliebte Planetenspringen, das sich im Arkon-Zyklus dadurch auszeichnete, das die Welten austauschbar, oberflächig und beliebig wirkten. Durch rund 30 Romane können wir Atlan und Razamons Odyssee auf Pthor verfolgen. Zunächst musste William Voltz jedoch seine Helden erst einmal auf die Reise schicken. Er erledigte sich dieser Aufgabe in einer seiner besten Arbeiten dadurch, dass er die Geschichte pädagogisch sorgfältig nach dem Prinzip vom „Bekannten zum Unbekannten“ aufbereitete. Innerhalb der Handlung erleben wir ähnliche Elemente die wir auch in der klassischen Abenteuerliteratur vorfinden, z.B. in »Robinson Crusoe« oder »Die Schatzinsel«[45]. Es ist die klassische Perry-Rhodan-Welt[46] von Karl-Herbert-Scheer in der William Voltz hier seinen Held agieren lässt.

Neben der eigentlichen Handlung erfahren wir im Hintergrund jedoch einiges über das auseinander brechende Solare Imperium infolge der Dolankrise. Neben Perry Rhodan[47] treffen wir viele andere alte Bekannte wieder, Reginald Bull, Julian Tifflor und Allan Mercant erscheinen in der Handlung. Der gesamte Roman wirkt durch die atmosphärische Schilderung seines Hintergrunds stellenweise wie eine Verbeugung vor Karl-Herbert Scheer. Gleichzeitig erleidet Atlan Lebensqualität durch den Verlust seiner Freundin und die aufkommende Atlantishysterie erhebliche Einbußen. Im Gegenzug führt Voltz mit Razamon eine neue Hauptperson in die Handlung ein, der im Grunde ein düsteres Spiegelbild von Atlan ist. Ebenso wie Atlan ist er unsterblich und wurde vom Schicksal auf die Erde verschlagen. Beide Personen verlassen auf den letzten Seiten des Romans ihre bekannte Welt in Richtung des vermeintlich aufgetauchten Atlantis. Kurz bevor sie das Weltenfragment betreten verlieren sie ihre komplette Ausrüstung und Kleidung und stranden nackt an der Küste des ihnen unbekannten Landes. Symbolisch sind diese Stellen als sehr bemerkenswert zu betrachten, stellt die Nacktheit und der Verlust der Ausrüstung doch einen völligen Neubeginn, quasi eine Wiedergeburt dar.

Während es sich bei der Handlung in Band 300 »Das neue Atlantis« von William Voltz noch um reine Science-Fiction war, kam es mit der Nummer 301 »Berg der Magier« zum eigentlichen Wechsel des Genres. In dem Moment wo Atlan und Razamon am Strand von Pthor aufwachen, den Fischwesen aus Panyxan begegnen, die sich vor Magiern fürchten und an den Göttervater Odin glauben findet sich der Leser gemeinsam mit den Helden in einer magischen Welt wieder, die geprägt wird von Monstern, Göttersöhnen, und einer geheimnisvollen Macht im Hintergrund. Pthor ist allerdings auch der Schauplatz der Gegensätze; neben mittelalterlich geprägten Städten, wie z.B. Orxeya finden wir gleichzeitig Industriezentren oder die Roboterzivilisation von Wolterhaven. Androide Wesen, Technos genannt bevölkern die Städte Zhahn und Zbohr an der Bucht der Zwillinge. Technik ist sehr wohl auf Pthor vorhanden, jedoch steht die vorhandene Technik nicht im Vordergrund, sondern dient Voltz als Hilfsmittel für eine überaus spannende Handlung, in deren Verlauf Atlan und Razamon der geheimnisvollen Macht, die sich innerhalb der Festung verbirgt, unaufhaltsam ein Stück näher kommen. Einige Romane kommen hierbei fast ohne die Erwähnung und den Einsatz technischer Hilfsmittel[48] aus. Sie spielen nicht selten in kargen Landschaften wie der Wüste Flyn, oder der Eisküste. Pthor ist ein relativ dünn besiedeltes Land von der Größe der Iberischen Halbinsel mit genau abgesteckten Klimazonen, das über wenige große Zentren verfügt und vom Wölbmantel, einer Art Energieschirm umschlossen wird.

Es ist heute ohne Einsicht in die Verlagsunterlagen sehr schwer feststellbar bis zu welchem Roman Voltz die Handlung ursprünglich geplant hatte. Es gibt gewisse Anhaltspunkte dafür, dass er seinen ersten Handlungsabschnitt ursprünglich bis zum Roman 332 geplant hat. In diesem Roman gelingt es Atlan und seinen Verbündeten in die geheimnisvolle Festung der Herrscher von Pthor einzudringen und die Gefahr durch das Weltenfragment von der Erde zu bannen. Pthor verlässt durch einen Notstart der so genannten „Enkel des Großen Oheims[49]“ die Erde. Atlan und Razamon befinden sich jedoch immer noch auf Pthor, das sich unaufhaltsam einem unbekannten Ziel, womöglich der Schwarzen Galaxis, der Heimat des Weltenfragments nähert. Es ist jedoch auch möglich, das Voltz seine Konzeption erst nach den Romanen um die Unterwelt von Pthor unterbrach, denn hier taucht mit der Seele von Pthor ein neues Rätsel auf, das nicht abschließend geklärt werden kann[50]. Fast gleichzeitig ergeben sich für Atlan und Razamon weitere Probleme, die dem Zyklus neuen Schwung geben sollten. Demgegenüber steht jedoch, dass die Handlung um die Unterwelt und die Steuerung von Pthor sehr harmonisch mit den folgenden Heften verbunden ist.

Durch die unsanfte Landung Pthors auf Loors in Roman 338 wird eine neue Handlungsebene um das Reich der Spercoiden und deren Herrscher Sperco eröffnet, in deren Verlauf zum ersten Mal seit dem Band 300 wieder größere Science-Fiction-Elemente innerhalb der Serie auftauchen. In den Romanen um Loors, Sperco und seine Spercoiden findet sie statt, die Symbiose zwischen Fantasy und Science-Fiction. Gleichzeitig kann Voltz die Rahmenhandlung vorantreiben und lässt im abschließenden Spercoidenroman mit der Figur „Feigling“, einen klassischen „Antihelden“ auftreten, der sich letztendlich als „Odin“, den Vater der Göttersohne[51] von Pthor entpuppt. Die Odinhandlung ist von Voltz sehr stark mit der Handlung um die Dimensionsschleppe[52] verwebt, einem Ort auf dem die Verbannten von Pthor leben und der den Mächtigen der Schwarzen Galaxis als zusätzliches Eingreifmittel zur Verfügung steht um Pthor unter Kontrolle zu halten. Atlan wird auf diese Welt verschleppt, kann scheinbar die Gefahr beseitigen, wird jedoch getäuscht und bringt Pthor infolge dieser Täuschung durch ein Steuerelement auf einen unaufhaltsamen Kurs zur Schwarzen Galaxis. Am Ende dieses Handlungsabschnittes wird sich der Antiheld in die Überfigur Odin verwandeln und seine Königswürde an Atlan weiterreichen. Nachdem Odin Pthor verlassen hat wird Atlan zum König von Atlantis ausgerufen[53]. Somit hatte die Serie das Ziel ihres programmatischen Untertitels, »König von Atlantis«, den sie seit Band 300 trug erreicht.

An dieser Stelle endet mit den beiden folgenden Romanen um Algonkin-Yatta[54] in den Bänden 375/376 die Saga um den König von Atlantis. Was danach geschieht hat nur noch wenig den vorherigen Ereignissen zu tun. Voltz beginnt, fast unmerklich für den Leser, eine neue Geschichte zu erzählen. Leider verrät er dem Leser jedoch nicht, wohin die Reise der Helden gehen soll. Die folgenden 24 Bände hinterlassen den Eindruck, als ob Voltz verzweifelt nach einem neuen Konzept suchte um den Zyklus befriedigend weiterführen zu können. Sowohl die Bände um die Invasion der Krolocs[55] wie auch die Romane im Vorfeld der Schwarzen Galaxis[56] bringen die Handlung nicht weiter und können dem Leser auch keine neuen Informationen vermitteln. Damit geht einher, dass von nun an der Fantasyanteil zugunsten der Science-Fiction zurückgeht. An dieser Stelle können wir sehr deutlich von einem Bruch im Werk, in der Konzeption sprechen.

Peter Griese, der langjähriger Atlan-Exposeredakteur führt in einem Interview in der Zeitschrift »Phantastische Zeiten« [57], 1988 zu dieser Problematik aus, das es „In der Atlanserie gibt es so tiefe Einschnitte, wobei die tiefsten wahrscheinlich im Wechsel von 299 nach 300 und 499 nach 500 stattfanden“. Peter Griese[58] hatte in diesem Interview voll und ganz die Problematik des »Atlantiszyklus« erkannt. Er war kein reiner SF-Zyklus sondern in den ersten 77, wenn nicht gar den ersten 100 Bänden ein reiner Fantasyzyklus mit äußerst sparsam eingesetzten Science-Fiction-Elementen. An dieser Stelle muss jedoch die Frage gestellt werden, ob es sich wirklich um Fantasy handelte oder ob diese Romane nicht eher dem Bereich der klassischen Abenteuerliteratur zugerechnet werden müssen.[59]

Peter Griese hat oben bereits auf die diversen Einschnitte, besser gesagt die Brüche innerhalb der Atlanreihe hingewiesen. Wenn wir uns den Atlantiszyklus etwas genauer ansehen, so bemerkt der aufmerksamen Betrachter innerhalb dieser 200 Romane eine ganze Reihe von Handlungsbrüchen. Diese werden hier nur kurz erwähnt, die eigentliche Analyse bleibt einer späteren Arbeit vorbehalten.[60]

1. Bruch – Band 377 Mit dem Roman 377 »Korridor der Dimensionen« von Hans Kneifel beginnt die Handlung um die Krolocs. Diese Handlung ist sehr stark mit Science-Fiction-Elementen angereichert. Plötzlich erhält Atlan von den Magiern mit der Goldoor ein Raumschiff und der magische Überbau der Serie tritt zugunsten einer Science-Fiction-Actionhandlung in den Hindergrund. Obwohl die Grundthematik des Zyklus nicht mehr weiterverfolgt wird, sind die Romane mit den vorangegangenen 77 Bänden inhaltlich verbunden. Dieser Bruch fällt im Gegensatz zu späteren nicht direkt dem Leser als solcher ins Auge. Bei einem anderen Verlauf des Gesamtzyklus hätte er eine reizvolle Übergangshandlung sein können.

2. Bruch – Band 392 Die Krolocshandlung endet mit Band 391. Im darauf folgenden Roman befindet sich Pthor im Vorfeld der Schwarzen Galaxis. Die inhaltliche Anbindung wird weiter abgeschwächt. Hinzu kommt das diese Romane auf den Leser orientierungslos und im Ergebnis zu wenig relevant wirken. Sie hinterlassen eher den Eindruck als ob nur Zeit geschunden werden sollte bis zum Jubiläumsband 400 »Die Schwarze Galaxis«.

3. Bruch – Band 400 Hatten wir es bei den vorangegangenen Brüchen mit kleineren Eingriffen innerhalb des Zyklus zu tun, so verlässt der Held jetzt nicht nur real sondern auch symbolisch die Handlungsebene der vorherigen Romane. Nachdem es Razamon bereits in 391 in die Schwarze Galaxis verschlagen hatte, wagt Atlan in diesem Roman und mit ihm sein geistiger Vater in diesem Zyklus – William Voltz – die Fahnenflucht und lässt das in 77 bzw. 100 Romanen zuvor aufgebaute Szenario im Stich. Hier ist der große Bruch innerhalb des Zyklus zu sehen. All das was vorher mit viel Mühe aufgebaut wurde, besitzt plötzlich keine Bedeutung mehr. Offene Fragen, die an dieser Stelle weitergeführt werden müssten, wie z. B. die Herkunft der Odinsfamilie, die ursprünglichen Bedeutung von Razamon oder das Verhältnis Odins zu den Herrschern der Schwarzen Galaxis spielen überhaupt keine Rolle mehr. Voltz unternimmt erst gar nicht den Versuch die beiden Hälften des Atlantiszyklus überzeugend miteinander zu verbinden.

Stattdessen eröffnet mit der „Schwarzen Galaxis“ eine völlig neue Handlungsebene, die jedoch zu wenig an die vorherigen Schauplätze angebunden ist. Pthor wird fast völlig in den Hintergrund gedrängt und darf nach seiner Reaktivierung zahlreiche Invasionen über sich ergehen lassen. Anstatt dem Leser konsequenterweise eine Schwarze Galaxis im Banne der Magie anschaulich zu bieten, lässt Voltz Atlan wie einst im „Held von Arkon“ von einem Planeten zum nächsten springen. Dies ist zum einen weder sonderlich originell noch kann er die Erwartungen der Leser erfüllen. Erschwerend für eine flotte Handlungsführung wird Atlan von seinen Feinden dermaßen oft gefangen genommen wie Karl-Mays Held Old Surehand im gleichnamigen zweibändigen Werk des Radebeuler Autors[61]. Wir können an dieser Stelle durchaus in der Phase der Atlanromane 400 – 443 von einem „Old-Surehand-Phänomen“ sprechen und mit Old Shatterhand im Geiste denken „Dies muss ein Ende haben“. Ebenso wie Old Surehand wird auch Atlan ständig gefangen und anschließend befreit. Die wird auf die Dauer in beiden Fällen fast unerträglich. Im Gegensatz zu Karl May gelingt es William Voltz jedoch nicht aus einer ausweglos erscheinenden Handlung erfolgreich auszubrechen und sein Werk mit den Worten Karl Mays abzuschließen, mit denen dieser Old Surehand beendete „Endlich, Endlich, Endlich“[62].

4. Bruch 444 Die Romane 425 – 443 stellen für den Verfasser den wohl schlimmsten Zeitraum innerhalb des Atlantiszyklus dar. Die Handlung war William Voltz zu diesem Zeitpunkt völlig aus dem Ruder gelaufen. Nach dem Tod von Thalia, einer der Hauptprotagonistinnen und der einzig starken weiblichen Figur im Zyklus, dem Verlust von Zellaktivator und Extrasinn und einem überhaupt nicht zufrieden stellenden Zusammentreffens von Atlan und Algonkin-Yatta in der Schwarzen Galaxis erlebt Atlan in den nächsten Romanen seine Rückkehr nach Pthor. Dies alles wird alles dermaßen konfus geschildert das Robert Hector hierzu in seiner unveröffentlichten Arbeit[63] »Atlan der Einsame der Zeit« in der Inhaltsangabe über den Roman 443 „Das Urteil der Körperlosen“ von Horst Hoffmann schreibt, „Die Lage auf Pthor ist verworren“. Diesen Eindruck muss zu diesem Zeitpunkt selbst der geneigteste Leser fällen. Somit war es Zeit für einen tiefen Einschnitt.

Für Voltz hat wohl der Atlantiszyklus wohl nicht sein Herzblut bedeutet, schon gar nicht wenn wir berücksichtigen das sich Perry Rhodan zu diesem Zeitpunkt nur noch knapp 30 Romane von der magischen Nummer 1000 entfernt war. Zwar hatte er es geschafft mit der Konzeption der ersten 77 Hefte eine seiner besten Teilarbeiten abzuliefern, jedoch verblasste dieser Eindruck durch die Ergebnisse der nächsten von ihm konzipierten 68 Bände. Voltz wird später einmal für seine Gesamtarbeit innerhalb dieses Zyklus von Kritikern gelobt und geschmäht werden. Im Grunde ist es ein Spiegelbild seines Wirkens bei Perry Rhodan. Wie auch immer zukünftige Generationen von Kritikern Voltz Arbeit einschätzen werden, mit Heft 444[64] »Land ohne Sonne« von Hans Kneifel – spätestens jedoch bei Band 448[65] »Die Todeswüste« von H.G. Ewers legte er die Exposeredaktion in die Hände von Marianne Sydow. Trotzdem stand sein Name bis Band 499 gleichberechtigt neben dem ihren. Dies deutet darauf hin, dass William Voltz zumindest die Exposes von Marianne Sydow gegenlas. Es hat den Anschein, dass er die Verantwortung nicht völlig aus der Hand geben wollte.

Marianne Sydow räumte zunächst einmal so gut es ging mit den verworrenen Hinterlassenschaffen von William Voltz auf. Sie ließ den Magiern entschieden mehr Raum ein als Voltz es jemals getan hatte und versuchte die Handlung zu einem vernünftigen Ende zu bringen. Dies ist ihr jedoch nur teilweise gelungen. Hierzu mussten Atlan und Razamon jedoch erst einmal Pthor wieder verlassen. Beide finden wir in 444 auf Dork, einem zweiten Dimensionsfahrstuhl wieder. Dies ist umso verwunderlicher als das Voltz dieses Konzept über ein Jahr vorher noch auf der LKS von Band 374 abgelehnt hatte als im der Leser Wolfram Winkler ein solches Konzept unter die Nase hielt[66]. Nun sollte es plötzlich wenn auch leicht modifiziert als Rettungsanker dienen. Erschwerend kam jedoch hinzu, dass die langjährigen Leser nun innerhalb von 3 Jahren zum dritten Mal eine ähnliche Geschichte erzählt bekamen. Ähnlich wie zu Beginn des Zyklus oder im Handlungsabschnitt um die Diemensionsschleppe[67] befindet sich Atlan auf einem ihm unbekannten Stück Land, das er zunächst erkunden und später erobern muss. Die Geduld der Leser dürfte mit einer solchen platten Wiederholung auf einer ernsten Prüfung gestellt worden sein.

5. Bruch Der letzte Bruch innerhalb des Atlantiszyklus ist schwerer feststellbar als die vorherigen. Es gibt jedoch sich ergänzende Aussagen von Seiten Marianne Sydow und Peter Griese das der Atlantiszyklus ursprünglich über Band 500 hinausgehen sollte. Warum erhielt Marianne Sydow diese Zeit nicht?

Eine Entscheidung über eine kurzfristige Beendigung des Atlantiszyklus steht im engen Zusammenhang mit den zeitgleichen Entwicklungen innerhalb der »Perry-Rhodan«-Serie. Wir wissen aus dem »Perry-Rhodan-Werkstattband«[68], dass die ursprüngliche Planung vorsah, dass Perry Rhodan und nicht Atlan hinter die Materiequelle gehen sollte. Dies ist auch aus dem Verlauf des 900er Zyklus[69] der Perry Rhodan Serie erkennbar, wo der Titelheld real wie symbolisch Schlüssel für ein höheres Ziel, sprich die Materiequelle sucht. Alles deutete bei Band 950 daraufhin, das Perry Rhodan in das Reich der Kosmokraten gelangen sollte. Irgendwann muss diese Richtung von William Voltz oder den Verantwortlichen Personen im Verlag aufgegeben worden sein. Wir wissen alle, dass Perry Rhodan nicht hinter die Materienquelle gegangen ist, sondern dass Atlan diesen Gang antreten musste. Dieser war nach den vorangegangenen Romanen der Perry Rhodan Serie auch schwer notwendig, denn es galt den Leser davon abzulenken, das der Titelheld gescheitert war, besser gesagt sein geistiger Vater. William Voltz war ebenso wie beim Atlantiszyklus an den Möglichkeiten seiner eigenen Konzeption gescheitert. Das was er mühsam in vielen Romanen aufgebaut hatte konnte er letztendlich nicht fortsetzen. Weder vermochte er konsequent eine „Schwarze Galaxis“ im Bann der Magie zu schildern noch das Reich der Kosmokraten zum Leben zu erwecken. Im Gegensatz zum Atlantiszyklus konnte er jedoch den Zyklus um die »Kosmischen Burgen« zu einem glücklichen Ende bringen. Seine nächste Schöpfung das Rätsel um die drei „Ultimaten Fragen“[70] belastet die Perry-Rhodan-Serie bis heute.

Ob ein Zyklus gut oder schlecht ist entscheidet sich für den Leser nicht in den ersten oder den mittleren Bänden, sondern vielmehr am Schluss, mit den letzten Bänden. Obwohl Marianne Sydow versuchte die Serie zu einem logischen Ende zu bringen, gelang ihr nur teilweise. Leider bewies sie zuwenig Einfüllungsvermögen in die ursprüngliche Konzeption der ersten 77 Bände. Die Verbindung mit dem Perry-Rhodan-Universum, die William Voltz innerhalb der Krolocsbände[71] gelungen war scheiterte bei ihr die Einführung und Darstellung der Ulebs innerhalb der Dorkhandlung[72] völlig. Anstatt diesen Wesen einen Hauch ihres früheren Schreckens innerhalb der Perry-Rhodan-Serie[73] zu verleihen wirken sie resignativ und stark depressiv. Auch die Anbindung des 400er Zyklus an die pthorschen Mythen wie das Parraxynt und die Quarks erfolgte zu spät und wirkte im Endeffekt zu aufgesetzt.

Letztendlich trug Kurt Bernhard, der eigentliche Vater des Atlantiszyklus, sein Kind zu Grabe als er entschied das Atlan auf die Sol gehen sollte. Wir wissen nicht wie es mit der Atlanserie weitergegangen wäre, wenn das ursprüngliche Konzept von Voltz und Sydow bezüglich einer Fortführung über die magische Nummer 500 hinaus umgesetzt worden wäre. Vielleicht war es aber auch gut so, das der Zyklus der sein ursprüngliches Format nach Band 375 nicht wieder erreichen sollte und nicht weiter fortgeführt wurde. Die Atlan- und Perry Rhodan Autoren taten und tun sich schwer mit dem Neuen Atlantis. Nur Marianne Sydow erwähnte in einer Schlüsselszene von Atlan 775 »Paradieswelt Siebenmond«[74] den Dimensionsfahrstuhl noch einmal. Seither ist er nie wieder aufgetaucht.

Um den Atlantiszyklus herum gibt es eine ganze Reihe von Mythen, Legenden und Nebelbomben. Es ist endlich an der Zeit den Nebel zu lichten, die Mythen und Legenden dahin zu schicken wo sie hingehören und der kritischen Perry-Rhodan-Forschung den Weg zu öffnen. Kurt Bernhard würde dazu wahrscheinlich sagen „Deutschland ist reif für die Perry-Rhodan-Forschung“. Die Serie und ihre diversen Nebenprodukte können letztendlich hiervon nur gewinnen.

Christian Matz listet eine Reihe von Legenden in seinem Artikel auf. Seine Vermutung, das G.M. Schelwokat der geistige Vater des Atlantiszyklus gewesen ist, hätte er mit einem Blick in die Veröffentlichungen des SFCU selbst widerlegen können.

Die Behauptung dass der Atlantiszyklus „beinahe zum GAU für das Periodikum ATLAN“ geworden ist kann er ebenso wenig wie seine Vorreiter nicht erbringen, sondern er führt im weiteren einige zusätzliche Legenden auf.

Der Versuch Mythor[75] als Kronzeugen aufzurufen geht ins Leere, da es nicht zu überzeugen vermag, das ein Verlag ausgerechnet eine neue Fantasy-Serie auf den Markt wirft, nachdem eine frühere sich nach Meinung von Matz auf diesem hat umkämpften Markt nicht behaupten konnte und die andere vor einem imaginären Supergau stand. Bei Mythor ist vielmehr anzunehmen, das die Verantwortlichen im Verlag es zwischenzeitig bedauerten, das Atlan mit der zweiten Hälfte des Atlantiszyklus wieder zu einer fast reinen Science-Fiction-Reihe entwickelt hatte und der Verlag zu diesem Zeitpunkt keine Fantasy-Serie mehr auf dem Markt zu haben. Somit musste ein neues Konzept her, somit konnte Mythor als neue Fantasy-Serie entstehen.

Der Verfasser vertritt darüber hinaus die Auffassung, das die Verkaufszahlen unmöglich im ersten Teil des Atlantiszyklus derart in den Keller gegangen sein können, das es zu einem imaginären GAU kommen konnte. Welchen Grund hätte es für den Verlag gegeben, ab dem Atlanroman 400 »Die Schwarze Galaxis« auf den Untertitel „Ein Roman aus der Perry Rhodan Redaktion“ zu verzichten, wenn nicht gute Verkaufszahlen? Jahrelang hatte Voltz auf Anfragen von Lesern bezüglich einer 2. Auflage auf der LKS geschrieben, das es keine 2. Auflage von Atlan geben würde[76]. Plötzlich, noch knapp 5 Monate vorher hatte Voltz dies abgestritten erschien sie doch und unerwartet, die 2 Auflage von Atlan. Auch ein Indiz dafür wie gut die Serie im 300er Bereich bisher gelaufen war.

Natürlich stellt sich hier die weiterhin Frage, warum ausgerechnet der „Atlantiszyklus“ 200 Romane lang war, somit der längste Zyklus der Reihe, alle anderen wurden bei einem einer geringeren Anzahl von Romanen abgebrochen[77]. Ist hier nicht viel eher davon auszugehen, das sich die Reihe bis weit in den 400 Bereich gut verkaufte, es dann zu einer inhaltlichen Krise kam, die Voltz u. a. dazu bewegte einen Großteil der Exposearbeit an Marianne Sydow abzugeben und sich zukünftig verstärkt Perry Rhodan zu widmen?

Vielleicht sind im Bereich der 400er Bände tatsächlich die Verkaufszahlen gefallen - Belege gibt Christian Matz jedoch hierfür keine an, stattdessen zählt er auf, was Reinhold Krämer zur Einstellung der 2. Auflage[78], von Atlan schreibt.[79] Krämer wie Matz vermitteln nicht, wie plötzlich die 2. Auflage von Atlan eingestellt wurde. Die Entscheidung muss in letzter Minute gefallen sein, denn im Perry-Rhodan-Report von Band 1180 werden die ersten beiden Romane des Atlantiszyklus noch angekündigt. Auf der letzten Romanseite im Atlanroman 299 ist die Rede davon, dass die Entwicklung der 2. Auflage nicht wie erwartet verlaufen sei. Hiermit ist selbstverständlich die vergangene Entwicklung gemeint.

Die Verlagsunion Pabel-Moewig hat in der Regel bei den Einstellungen von langjährigen Heftromanserien darauf geachtet, das die Käufer ihrer Produkte noch einen Abschluss der Handlung erhalten haben. Dies war bei der Einstellung der 2. Auflage von Atlan der Fall, als die Serie mit dem Ende des „Held von Arkon“-Zyklus eingestellt wurde, ebenso wie 1988 bei der Einstellung der 1. Auflage. Hier erhielten die Leser noch einen mehr oder weniger befriedigenden Abschluss mit Band 850. Von diesem Zeitpunkt durfte Atlan sich „Die größte abgeschlossene Science-Fiction-Serie der Welt“ nennen.

Reinhold Krämer vergisst ebenso wie der ihn zitierende Christian Matz zu erwähnen welche Reihen Pabel-Moewig ab dem Jahr 1984 noch alles eingestellt hat: Perry Rhodan Taschenbuch 2. und 3. Auflage, Terra Astra, Terra Taschenbuch, Atlan 1. Auflage, sämtliche Krimi- und Westernreihe usw. Dies sind ja nun alles keine Produkte, die in irgendeiner Art und Weise in einer Verbindung mit dem Atlantiszyklus standen, sondern wo die Auflagezahlen dermaßen zurückgingen, dass es für den Verlag unrentabel wurde diese Produkte weiter zu produzieren. Gründe für die Krise der Heftromanreihen ab Mitte der 80iger Jahre sind sicherlich einerseits im Pillenknick zu sehen, andererseits hat diese Krise jedoch auch etwas mit einem veränderten Freizeitverhalten der Gesellschaft zu tun, das u .a. mit dem Phänomen der neuen Medien verbunden ist.

Dass auch ein reines Science-Fiction-Konzept nicht vor einer möglichen Einstellung bewahrt, bewies der reale Supergau der Heftromanserie „Atlan“ im Jahr 1987/1988. Mit Band 850 erschien im Januar 1988 der letzte Band dieser Reihe. Robert Hector schrieb ein Jahr später dazu in „Atlan – Helfer der Menschheit“ „Warum wurde die Serie eingestellt? Vom kaufmännischen aus war die Sache klar: es wurden zu wenig Hefte verkauft, die Leserschaft, die vorwiegend aus 15 – 20 jährigen bestand, war aus Gründen des Pillenknicks nicht mehr stark genug. Allerdings war der Pillenknick sicherlich nicht der einzige Grund für die Einstellung. Viele Leser kauften sich die Serie am Schluss nur noch aus Sammelgründen, weil die Handlung spätestens ab Band 700 langweilig geworden war und mit Perry Rhodan nicht mehr mithalten konnte. Sicherlich gab es in den 400er Bänden auch eine Krise, die damals nur mit Mühe überwunden werden konnte. Aber diesmal fehlten auch die Perspektiven.“ Perspektiven, die innerhalb der 400er Bänden noch vorhanden waren, konnten die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt auch in Rückgriffen auf die Perry Rhodan Serie nicht mehr finden.“

Nicht die Fantasy hat dem Atlantiszyklus geschadet, sondern eine sehr große Orientierungslosigkeit in den Romanen ab 377, spätestens 400. William Voltz hatte bereits sehr früh vor, die Fantasy zugunsten der Science Fiction zuzudrängen. Dies setzte er zunächst mit der Spercoidenhandlung sehr vorsichtig. Die Krolosepisode verschaffte ihm höchstwahrscheinlich die Möglichkeit den Handlungsabschnitt ab 400 zu konzipieren. Mit Band 400 versuchte Voltz durch die Möglichkeiten die ein Jubiläumsband von Natur aus bietet, das Ruder zu Gunsten der Science-Fiction[80] zu drehen und der Serie einen erneuten Aufschwung und noch bessere Verkaufszahlen zu verschaffen. Dieser Versuch scheiterte jedoch völlig und sollte den Atlantiszyklus innerhalb der Romane 425 – 443 in eine große Krise stürzen, aus der er nur mit Mühe herauskommen sollte. Marianne Sydow versuchte den Zyklus zwar zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, dies gelang ihr jedoch nur teilweise, da ihr William Voltz durch seine Exposearbeit in den Bänden 400 – 443 zunehmend das Fundament entzogen hatte.

Noch heute sind die Brüche innerhalb der Handlung für Außenstehende erkennbar. Für die oben angekündigte Arbeit von Schmitt/Fleischer über den Atlantiszyklus habe ich die angehende Germanistin Svenja Bach gegeben die Inhaltsangabe von Robert Hector[81] abzutippen. Svenja Bach schrieb mir nach Erfassung dieses Textes einen Brief, den ich hier Ausschnittsweise veröffentliche: „Obwohl ich eigentlich keine leidenschaftliche Sience-Fiction-Leserin bin, muss ich sagen, dass ich zunächst von der Geschichte des Atlantis-Zyklus durchaus angetan war. In der Kurzfassung, die ich gelesen habe, konnte ich den Verlauf der Geschichte gut nachvollziehen und alles erschien mir zunächst durchaus plausibel. Doch je weiter ich las, desto konfuser kam mir der Plot vor. Dies gilt insbesondere für das Kapitel, das mit „Die Schwarze Galaxis“ überschrieben ist. Es scheint den Autoren nach einer gewissen Anzahl von Romanen der Stoff für die eigentlich geplante Geschichte ausgegangen zu sein, doch statt die Geschichte einem für den Leser befriedigenden Ende zuzuführen, hat man das Konzept umgeworfen, so dass das Ende des Zyklus nicht mehr im Entferntesten etwas mit seinem Beginn zu tun hat. Möglichlicherweise ist es das den Lesern der einzelnen Romane nicht so extrem aufgefallen, weil sich die Veränderungen über einige Romane erstrecken, aber wenn man sich die Inhaltsangabe genauer durchliest, kann man sich nicht vorstellen, was Menschen dazu bewegt hat, die Romane zu kaufen, weil es sich so liest, als habe man einfach zwei völlig unterschiedliche Serien (vor 400 und nach 400) zusammen in einen Mixer geworfen, einmal kräftig durchgeschüttelt und dann das ganze als eine Geschichte verkauft“.

Die Anzahl der Atlan-Romane soll lt. Christian Matz Mitte der 80er 76.000 Exemplare betragen haben. Die Auflagezahlen von VPM sind in der Regel ein streng gehütetes Geheimnis, obwohl es gar nicht so schwer ist sie zu erfahren. Der interessierte Journalist oder Literaturwissenschaftler muss halt nur den richtigen Weg gehen. Um jedoch mit Zahlenangaben bzw. Zitaten richtig arbeiten zu können benötigen wir eine Quelle. Der Autor gibt jedoch hier keine Quellen an sondern lässt den kritischen Leser im Regen stehen. 76.000 Exemplare bedeuten heute für eine Heftromanserie eine gute Auflage. Welchen Stellenwert haben sie jedoch 1985 besessen? Es bleiben hier mehr offene Fragen wie Antworten. Meiner Einschätzung nach lag die Auflage im ersten Drittel des Atlantiszyklus höher als im 400er Bereich. Die Auflage wird aufgrund des Auftauchens der Sol in Band 500 ab dem Frühjahr 1981 sprunghaft gestiegen sein um spätestens mit Band 600 kontinuierlich zu sinken.

Als die Atlanserie im Januar 1988 eingestellt wurden, reisten einige junge Mitglieder des Atlan Club Deutschland nach Rastatt um den Abonnenten einen Werbeflyer ihres Clubs für die Atlannummer 850 beizulegen. Insgesamt benötigten die ACD´ler, 576 Kopien. Diese Zahl, vielfach in der Fanliteratur[82] im Gegensatz zu den Angaben von Matz verbürgt, vermag vielleicht einen Blick dafür zu öffnen, wie es um die Atlanserie 1988, knapp 7 Jahre nach dem Atlantiszyklus wirklich bestellt war.

Gibt es eine Renaissance für den Atlantiszyklus? Vielleicht – später einmal, wenn sich einige Personen kritisch mit diesem riesigen Handlungsabschnitt des Perry-Rhodan-Universums befasst haben und erkannt haben welches Potential insbesondere im ersten Drittel dieser Erzählung liegt. Derzeit erfolgen Heftzusammenfassungen von Bernd Labusch im Rahmen von »World of Cosmos« dem Fanzine des SFC Black Hole Galaxis, Nr. 34 ff[83]. Darüber hinaus sind diese Heftzusammenfassungen mit zusätzlichen Informationen, einem informativen Lexikon und Abbildungen auf der Internetseite [www.pr-materiequelle.de] zu erhalten. Die Zeiten als Ziska Schmitt und Werner Fleischer als einsame Wanderer in der Wüste zugunsten des Atlantiszyklus galten scheinen zu enden.

Natürlich stellt sich an dieser Stelle auch die Frage nach einer Veröffentlichung in Buchform. Sicherlich kann eine Veröffentlichung nicht in der derzeit vorliegenden Form erfolgen. Eine Überarbeitung der Handlung bietet sich insbesondere für die Romane ab Band 377, spätesten 399 an. Es wäre wünschenswert, wenn der Atlantiszyklus in veränderter Form mit einem konsequenten Ende irgendwann z.B. n einer grünen Reihe mit goldverzierten Rahmen und aufgeklebten Titelbildern erscheinen würde. Es muss ja nicht ein Verlag aus Rastatt oder Bamberg sein[84].


Werner Fleischer 20.01.2003

in die Perrypedia eingestellt mit schriftlicher Zustimmung des Autors von Benutzer:Katya


  1. „Atlan, Atlantis und Fantasy“ von Christian Matz, enthalten in Perry-Rhodan-Perspektive 62/2002
  2. Der Atlantiszyklus besteht aus den Romanen 300 – 499. Die Romane wurden im Zeitraum Juni 1977 – April 1981 veröffentlicht. Um Umfeld des Zyklus gehören weiterhin 2 Kurzgeschichten von H.G. Francis („Gib mir die Hand Atlan“ erschienen im Perry-Rhodan-Magazin 3, 8/78) und Hans Kneifel („Der vergessene Bericht“ erschienen im Perry-Rhodan-Magazin 6/81). Der Sinziger Autor Günter Ruch schrieb 1996 zwei weitere Kurzgeschichten zum Atlantiszyklus („Die erste Sintflut“ und „Razamon und die Teufel“.).
  3. Die letzte ernst zu nehmende Arbeit stammt aus dem Jahr 1986; Stache, Rainer, Perry Rhodan Überlegungen zum Wandel einer Heftromanserie, Verlag S+F, Tübingen, 1986.
  4. Das Problem der Perry-Rhodan-Fanzentrale besteht darin, das sie zu sehr mit dem Verlag verbunden ist. Die letzten Exemplare der Zeitschrift Sol vermitteln darüber hinaus den Eindruck, dass es eher um eine Vermarktung der Perry Rhodan Produkte wie um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht. Daher wäre eine mögliche Perry-Rhodan-Gesellschaft wünschenswert, die sich um eine inhaltliche und kritische Auseinadersetzung mit dem Gesamtphänomen kümmert.
  5. Der Roman Ardistan und Dschindistan erschien erstmalig 1907 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift „Deutscher Hausschatz“. Heute ist das Werk als Band 31 (Ardistan) und 32 (Der Mir von Dschindistan) im Karl-May-Verlag Bamberg erhältlich.
  6. z.B. „Old Shattehand im Märchenwald“ in der Wochenschrift „Die Furche“, Nr. 33 vom 15.08.1970
  7. Franz Cornaro „Karl-May-Ähnlichkliches in I.R.R. Tolkiens Dichtung „Der Herr der Ring“ enthalten im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1981, Hansa-Verlag Hamburg.
  8. Kobra erschien vom Februar 1975 – April 1978 im Verlag Gevacur.
  9. Die Reihe Trigan kam bei den Lesern so gut an, dass nach Veröffentlichung aller Triganepisoden im Anschluss ab der Nr. 9/78 Lawrence neue Reihe „Storm“ veröffentlicht wurde.
  10. In der Reihe „Super“ wurden mehrere Comicreihen veröffentlicht. Diese sind überwiegend dem Funnybereich zuzuordnen. „Trigo“ erschien als Band 7 der Reihe und spielte, man mag es kaum glauben, auf Atlantis. Dies war jedoch eine Idee der Verantwortlichen im Verlag, im Original spielt der erste Triganband auf einem entfernten Planeten.
  11. z.B. „Jerry Cottan“, Bastei-Lübbe; oder „Komissar X“,Erich-Pabel-Verlag
  12. z.B. „Der Landser“ „Landser-Großband“; beide Pabel
  13. z.B. „Lassiter“, Bastei-Lübbe oder „Ronco“, Erich-Pabel Verlag
  14. z.B. „Perry Rhodan“, „Atlan“,Moewig
  15. z.B. „Silber-Grusel-Krimi“ ab 1971 im Zauberkreis-Verlag oder „Vampir-Horror-Roman“ im Erich-Pabel-Verlag ab 1972.
  16. „Horror“ ab 1972 im Bildschriftenverlag oder „Gespenster Geschichten“ im Bastei-Verlag ab 1974.
  17. Ernst Vlcek stieg als Romanautor mit der Nr. 171 bei Atlan aus. Walker dürfte wohl nicht als Autor infrage gekommen sein, da ihm zum einen Science-Fiction nicht sonderlich lag und andererseits das Autorenteam der Atlan-Serie einen zusätzlichen Autor erhalten hätte.
  18. Dragon Band 1 - 3
  19. Die Einstellung muss sehr plötzlich gekommen sein, denn in Dragon Band 50 wurde noch eine Leserbefragung gestartet.
  20. Die Titelbilder wurden anfänglich von Eddie Jones, später von Helmut Pesch gestaltet.
  21. Das ist Hubert Straßl
  22. Der Artikel ist enthalten in Kneifel/Sander „Dragons Welt“; Weltbild Verlag ohne Jahresangabe, dieses Buch dürfte 1999 als Begleitobjekt zu der Dragon-Reihe des Weltbild-Verlags veröffentlicht worden sein.
  23. Die ersten Romane, die sich innerhalb der Perry-Rhodan-Serie mit Atlan beschäftigten, waren die Nummern. 50 „Der Einsame der Zeit“, 60 „Festung Atlantis“ und 70 „Die letzten Tage von Atlantis“. Alle drei Romane wurden von Karl-Herbert Scheer geschrieben. Insbesondere die beiden letzten schilderten anschaulich Atlans Verbindung zum untergegangenen Kontinent
  24. Die ersten 3 Romane, alle von William Voltz geschrieben, spielten auf Atlantis. In Band 3 konnte der Leser zudem den Untergang des Kontinents verfolgen. In den späteren Romanen trifft Dragon immer wieder auf Hinterlassenschaften des untergegangenen Kontinents.
  25. Bis heute wird heftig darüber gestritten ob Platon mit dieser Geschichte seine Leser zum Nachdenken über die politischen Verhältnisse bringen wollte oder ob er tatsächlich wie er behauptete eine uralte Quelle aus Ägypten zitiert.
  26. Wolfgang- Marken Verlag, Köln. Die Reihen „Zeitkugel“, 1974 - 1978 und die Folgereihe „Erde 2000“, 1978 – 1979 waren die einzigen Produkte des Verlags im Rahmen der Science-Fiction. Der Verlag entwickelte in den Jahren eine emsige Aktivität in diesem Bereich und versuchte auf dem Science-Fiction-Ton in Kleve, 1976 sogar Perry-Rhodan-Autoren für seine Produkte abzuwerben. Die Serien scheiterten nicht zuletzt daran, dass der Marken-Verlag keinerlei namhafte Autoren besaß um der Konkurrenz aus Bergisch-Gladbach und Rastatt erfolgreich Konkurrenz zu machen.
  27. Bis Band 23 schilderte jede ungerade Nummer eine Reise in die Zukunft.
  28. Alle geraden Bände waren bis 22 Reisen in die Vergangenheit. Ab Band 24 wurden ausschließlich Zeitreisen in die Vergangenheit geschildert.
  29. Die Reihe „Erde 2000“ umfasst nach der Nummerierung 44 Bände. Jedoch erschienen die Hefte 39 und 41 nicht. Bei den Nummern 35 und 37 handelt es sich um Sammelbände mit jeweils 2 alten Romanen.
  30. Zählt man beide Reihen zusammen so wird „Die Zeitkugel/Erde 2000“ nur noch von den Heftserien „Orion“ (145 Bände) und „Atlan“ (850 Bände) an veröffentlichten Romanen übertroffen. Hierbei sollte jedoch nicht übersehen werden, dass Orion als eigenständige Heftromanserie nur bis Band 81 erschien und anschließend innerhalb der Heftromaserie „Terra Astra“ veröffentlicht wurde.
    Als Einzelreihe liegt „Die Zeitkugel“ mit 90 Bänden hinter den beiden o. a. sowie den Serien „Ren Dark“ (97 Bände) und „Die Terranauten“ (99 Bände).
  31. Atlan – Der Held von Arkon erschien zunächst in den Nummern 88 – 116 jede 4. Nr.; 120 – 174 jede 2. Nummer, ab 176 – 299 jede Nummer.
  32. Michael Thiesen „Wanderer durch die Zeiten – Die literarische Karriere des Arkoniden Atlan“ enthalten in „Perry-Rhodan-Jahrbuch 1999“, Perry-Rhodan-Fanzentrale, Rastatt
  33. Bei dem ersten Atlanzyklus – Im Auftrag der Menschheit handelte es sich zunächst um eine Mischung von SF- und Krimielementen. Dieses Konzept wurde später zugunsten einer Reihe von Kleinzyklen aufgegeben.
  34. Dies deckt sich mit der Schilderung von Michael Thiesen, siehe oben: „Genau wie in der Perry-Rhodan-Serie blieb Atlan aber auch in unserer eigenen Scheinwirklichkeit Spielball übergeordneter Mächte. Eine von ihnen hatte die Gestalt von Perry-Rhodan-Redakteur Kurt Bernhardt. Als der Kampf des Kristallprinzen Atlan gegen Orbanaschol III seinem Ende entgegenging, beschloss dieser, Atlan – dem neuesten Genres gemäß – in eine Fantasy-Serie umzuwandeln.²
  35. Volker Nübel (d.i. Klaus N. Frick) „Mythor – Pabels zweite Fantasy-Heftserie“ erschienen in „Sagittarius – Magazin für fantastische und andere Literatur, Nr.10, August 1984, Freudenstadt
  36. Robert Hector war seit Beginn der 80iger Jahre in der Fanszene engagiert. Bereits frühzeitig bekam er Kontakt zu William Voltz. Er gilt als einer der engagiertesten und kritischsten Fans der Perry Rhodan Serie. Zahlreiche Veröffentlichungen erschienen von ihm im Perry Rhodan Report und innerhalb des SFCU; hier u. a. in der Reihe „Gedankenspiele“.
  37. „Atlan – Helfer der Menschheit – Ein Überblick über 850 Hefte – Die Atlan-Serie in Kurzfassung; SFC Universum, Schmelz, Mai 1988; 1993 erschien die 3. überarbeitete Ausgabe. Das Heft bietet neben einer umfangreichen Handlungszusammenfassung der Heftromane, Kurzbiografien der Autoren, Statistiken und Auflistungen (Risszeichnungen und Extrasinn) zur Serie. Von Robert Hector liegt auch eine völlig überarbeitete Fassung des Hefts vor, das derzeit noch auf eine Veröffentlichung wartet.
  38. „Atlan der Einsame der Zeit – Zehntausend Jahre unter dem Meer“ enthalten in „ Frick, Klaus N. (Hrsg.) Das große Perry Rhodan Fanbuch“ , Heyne Verlag, 1996
  39. Erschienen in „Phantastische Zeiten 3/88“, Trivial Verlag, 1988
  40. z.B. auf der Leserkontaktseite in Band 309 schrieb Voltz „Lebo Axton (das ist Kennon) wieder in die Handlung einzubauen, ist unter Umständen möglich.“ Bereits auf der LKS von Roman 328 schrieb er ergänzend: „... aber ein Wiedersehen mit Algonkin-Yatta und Lebo Axton.“
  41. Die Comicreihe „Perry – Unser Mann im All“ erschien mit 129 Bänden vom Oktober 1968 – Mai 1975 im Moewig-Verlag.
  42. Auf der LKS von Roman 333 schrieb er dazu: „Der Fantasy-Effekt der Atlan-Serie beruht auf der fremdartigen Umgebung von Atlantis. Er wird im Zuge der weiteren Handlung zurückgedrängt zugunsten von mehr SF.“
  43. Dem gegenüber vertritt Michael Thiesen, s.o. „Rasch wurde eine Rahmenhandlung gestrickt, die Atlan im Band 300 seiner Serie den Übergang aus dem technisierten Solaren Imperium des Jahres 2648 in das geheimnisvoll-mystische neue Atlantis ermöglichte...“. Hierbei übersieht Thiesen jedoch die Kommunikationsstrukturen von 1976/77. Alleine die Übermittlung der Daten für die Karten, das Zeichnen derselben durch Horst Hoffmann und die Rücksendung zu Voltz auf dem Postweg dürfte zumindest 1 – 2 Wochen gedauert haben, ausreichend Zeit für eine vernünftige Grundplanung
  44. Horst Hoffmann gestaltete für die Atlanromane 300 – 343 Innenillustrationen die Personen und Gegenstände aus dem Atlantiszyklus darstellten. Für den Roman 300 zeichnete Horst Hoffmann zwei Karten, zum einen den Platz von Pthor im Atlantik, die zweite Karte stellte Pthor mit seinen Landschaften dar. Die zweite Karte wurde von Günter Ruch 2002/03 farbig eingefärbt und ergänzt.
  45. Durch die beiden Landkarten im Innern von Band 300 kann ein Bogen zu den beliebten Bamberger Karl-May-Ausgaben geschlagen werden. Auch sie besitzen in ihrer Ausstattung Landkarten zur besseren Orientierung des Lesers.
  46. Die Rahmenhandlung des Atlantiszyklus spielt in den Jahren 2648 – 2650.
  47. Der Auftritt von Perry Rhodan in Atlan 300 zählt zu seinen wenigen Auftritten in der Atlanserie. Rhodan ist in diesem Roman auch keine Randfigur sondern zählt eindeutig zu den Hauptpersonen. Es sollte innerhalb der Atlanserie sein letzter größerer Auftritt sein.
  48. z.B. die Romane 301 „Berg der Magier“ von Clark Darlton oder Band 314 „Die Herrin von Teimabor“ von Marianne Sydow .
  49. Später war nur noch die Rede vom „Dunklen Oheim“. Klingt ja auch irgendwie bedrohlicher. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Voltz den Namen unauffällig im weiteren Verlauf der Handlung abänderte.
  50. Große Enthüllungen über die Seele von Pthor erhalten wir erst wieder in Band 499 als sich herausstellt, das hinter den Seelen der Dimensionsfahrstühle ein ehemaliger Mächtiger verbirgt, der seine geistige Substanz auf die Weltenfragmente aufteilte.
  51. Bei den Göttersöhnen handelt es sich um Balduur, Sigurd, Heimdahl und Honir. Hinter der Figur Honir steckt die unter einer Maske lebende Odinstochter Thalia.
  52. Bei der Dimensionsschleppe finden wir zum ersten Mal innerhalb des Atlantiszyklus das Phänomen, dass die Grundhandlung (Erkundung und Eroberung eines Dimensionsfahrstuhls) sich wiederholt. Bei der Dimensionsschleppe wirkt dies durch die geringe Anzahl der Romane noch nicht so störend wie später bei der Dorkhepisode 444 - 472.
  53. Der Roman 372 „Odins Erbe“ von Kurt Mahr stellte ursprünglich m. E. nach einen Schlüsselroman dar. In diesem Roman macht Odin Atlan und Thalia gegenüber einige Andeutungen über die dunklen Mächte in der Schwarzen Galaxis. Leider kam Voltz in der weiteren Konzeption nicht mehr darauf zurück. Auch das Verhältnis zwischen dem Dunklen Oheim und Odin konnte innerhalb der Heftreihe nicht geklärt werden.
  54. Algonkin-Yatta stellt eins der großen Probleme innerhalb des Zyklus dar, sogar innerhalb der Romane 300 - 376. Die Figur wurde aus dem „Held von Arkon“ Zyklus übernommen. Mit der Einführung dieser Figur sollte laut Voltz ein neuer Unterzyklus beginnen. Dieser wurde jedoch ebenso wie der Gesamtzyklus vorzeitig abgebrochen. Im Atlantiszyklus tauchte Algonkin Yatta zum erstenmal im Band 333 „Atlantispartrouille“ von H.G. Ewers auf. In der Folge begibt sich Algonkin Yatta auf die Spur von Atlan. Hierbei erfährt er vom Wirken Atlans auf Pthor, in der Galaxis der Spercoiden oder auf der Dimensionsschleppe. Diese Informationen gibt er an Perry Rhodan weitergibt. Insofern dürfte Perry Rhodan, da Atlan ja in Band 499 fast seine komplette Erinnerung verliert, mehr über die Erlebnisse des Arkoniden wissen als dieser selber. Dies stellt jedoch einen eklatanten Widerspruch zu Perry Rhodan Band 816 „Meister der Gravitation“ von William Voltz dar. Dieser Roman ist nicht mit dem Atlantiszyklus direkt verbunden, sondern dient Voltz als Werbemöglichkeit innerhalb der Perry-Rhodan-Serie für den in wenigen Wochen beginnenden Atlantiszyklus. Dieselbe Aufgabe übernahm H.G. Ewers innerhalb der Atlanserie mit Roman 290 „Die Zeitkapsel“. Während Voltz den Leser sehr neugierig zurücklässt, dürften die Andeutungen von Ewers kaum jemand aufgefallen sein.
  55. 377 - 391
  56. 392 - 399
  57. Siehe oben
  58. In der gleichen Veröffentlichung schreiben Traugott Bösche und Winfried Czech das Peter Griese das Angebot erhielt am Atlantiszyklus mitzuschreiben.
  59. Die Beantwortung dieser Frage würde einen eigenen Artikel benötigen. Dieser wird derzeit von Ziska Schmitt und Werner Fleischer vorbereitet.
  60. Siehe vorangegangene Fußnote.
  61. Ursprünglich als dreibändiges Werk geschrieben ist heute Old Surehand I - II als Band 14/15 im Karl-May-Verlag Bamberg erhältlich. Der ursprüngliche mittlere Teil
  62. Diese Worte befinden sich auf der letzten Seite des Originalmanuskripts. Heute abgedruckt im Reprint von Band 19, Karl-May-Verlag Bamberg.
  63. Siehe oben
  64. Band 444 ist der erste Roman der auf Dorkh spielt. Ein Wechsel der Exposeredaktion von Voltz auf Sydow würde gerade zu diesem Zeitpunkt Sinn ergaben, da hier nach einem völligen Break ein Neuanfang versucht wird. Dies würde jedoch nur dann für die neue Exposeautorin Sinn ergeben haben wenn sie von Anbeginn dieses Handlungsabschnitts mit in die Planung eingebunden worden ist.
  65. Band 448 ist der erste Roman wo der Name von Sydow im Roman als Exposeautorin angegeben wird
  66. Winkler schlug in seinem Leserbrief vor: ...das Pthor nur ein Teilstück eines größeren Ganzen war und ist“, und Atlan auf die Suche nach den 6 –8 anderen Teilen Pthor“ zu schicken. William Voltz führte hierzu aus „Was die Parallelwelten usw. angeht, sind wir der Ansicht, dass sie ein sehr heikles Thema darstellen, weil die Gefahr, dass alles sehr unübersichtlich, wird sehr groß ist. Ähnliche Bedenken haben wir mit der Geschichte der anderen Bruchstücke von Pthor, die im Grunde genommen ja nichts anderes sind als Parallelwelten.“
  67. Atlan 365 - 370
  68. Hoffmann, Horst (Hg.) Perry Rhodan – Werkstattband – Daten, Fakten, Hintergründe; Verlag Arthur Moewig GmbH, Rastatt, 1986
  69. Die Kosmischen Burgen, Perry Rhodan 900 – 999, 1979 - 1981
  70. eingeführt in Perry Rhodan Nr. 1020 „Das Viren-Experiment“ von William Voltz
  71. Atlan 377 - 391
  72. Atlan 444 - 473
  73. Perry Rhodan Romane 300 – 399. Der Zyklus ist bekannt unter seinen vom Verlag verliehenen Namen „Die Zeitpolizei. In den 70iger Jahren wurde er von den Fans auch öfter als „Uleb“ oder „M-87“ Zyklus bezeichnet.
  74. Atlan wird in diesem Roman mit diversen Wahrsagern konfrontiert. Eine Wahrsagerin konfrontiert ihn mit seinem bisherigen Leben und kann kurz einige verschwommene Bilder seiner Erlebnisse auf Pthor erkennen.
  75. Mythor Band 1 erschien im April 1980, knapp ein Jahr vor Einstellung des Atlantiszyklus. Die Serie lief anfänglich wöchentlich, später 2-wöchtenlich bis 1986. Insgesamt erschienen 192 Romane. Im Gegensatz zu anderen Heftserien wurde sie ohne einen befriedigenden Schluss für die Leser abgebrochen.
  76. Siehe hierzu u.a. LKS 328 („Eine Neuauflage von Atlan wird es vorläufig nicht geben...“ und LKS 338 („Eine zweite Auflage der Atlan-Serie wird es vorläufig nicht geben“). 22 Wochen später erschien Band 1 der 2. Auflage.
  77. Zum Vergleich die anderen 4 Atlanzyklen brachten es auf die folgende Anzahl von Romanen: 1. Im Auftrag der Menschheit: 139 Romane, 2. Der Held von Arkon: 160 Romane, 3. Die Abenteuer der Sol: 176 Romane, 4. Im Dienst der Kosmokraten: 175 Romane
  78. Ich kann mich jedoch dunkel daran erinnern, dass in irgendeiner Publikation stand, dass nach einer Pause von 4 Jahren es ursprünglich geplant war die 2. Auflage der Atlanserie fortzusetzen. Ich halte dies jedoch eher für einen Wunschtraum des damaligen Verfassers
  79. Die zweite Auflage wurde im August 1978 gestartet, die 1. Auflage der Atlan befand sich zu diesem Zeitpunkt bei Roman 360. Es ist davon auszugehen, dass die erste Auflage so gut lief, um das Wagnis einer 2. Auflage einzugehen. Noch Wochen vorher gab Voltz auf der LKS von Atlan .... bekannt, dass es zum derzeitigen Zeitpunkt keine 2. Auflage geben würde.
  80. Klaus N. Frick schreibt hierzu in seinem oben aufgeführten Artikel „Gegen Ende des Zyklus versuchte man, durch ein totales Zurückschrauben des Fantasyeinflusses wieder die alten Leser zurückzuerobern, was jedoch misslang.“
    Hierbei stellt sich dem Verfasser die Frage, welche Leserwanderungen es tatsächlich zwischen 300 – 499 gegeben hat und ob eventuell auch Leser die Atlanserie unmittelbar nach Band 500 verlassen haben.
  81. Hector, 1989
  82. Rüdiger Schäfer teilte mir die Angaben in einem Gespräch im Dezember 2002 mit.
  83. World of Cosmos ist erhältlich über Sandra Schäfer, Cuxhavener Str. 168, 21149 Hamburg
  84. Vorstellbar wäre auch eine Umsetzung als Hörspiel mit einem konsequenten Schluss bei 1A-Medien.

Zyklus-Analyse 2

Atlantis: Legende und Wirklichkeit

Der Ruf des Atlantis-Zyklus

von Ziska Schmitt

(mit freundlicher Genehmigung der Autorin)


PR: „Atlantis. Du bist mit Razamon dorthin aufgebrochen. Erinnerst du dich nicht daran?" A: „Oh doch, sehr deutlich sogar, aber alles, was danach geschah - ich weiß nichts mehr, Perry. Es ist alles weg!" PR: „Es wird wiederkommen." A: „Das glaube ich nicht. Und weißt du was? Ein Gefühl sagt mir, daß es besser ist, wenn ich mich nicht erinnere. Es muß eine...!"

Ein Zyklus, von dem selbst die Exposéfabrik schreibt, es sei besser, sich nicht an ihn zu erinnern?! Obiges Zitat passt nur zu gut zu den landläufigen Ansichten, die um den Atlantis-Zyklus kursieren, und die jüngst durch einen Artikel von Christian Matz wieder aufgefrischt wurden. Es ist Zeit für einen Abstecher nach Atlantis, um festzustellen, was wirklich hinter den Gerüchten steckt...

Legenden um Atlantis

Von allen Zyklen der ATLAN-Serie, mit Ausnahme vielleicht des allerletzten, hat der Atlantis-Zyklus unweigerlich den schlechtesten Ruf. Diesem Ruf soll im folgenden etwas nachgespürt werden - aus Anlass eines Artikels von Christian Matz in der PRP 62. Dessen Grundthese, die er hier durch eine Anzahl von Zitaten zu untermauern versucht, war bereits im Rahmen eines Artikels in der PRP 61 erschienen und lautete:

„Schon einmal hatte man bei Perry Rhodan - in der Schwesterserie Atlan - einen krassen Abschied von Grundkonzepten und gewachsenen Handlungsstrukturen gewagt. Die Atlan Bände von 300-499 sind mittlerweile fast vergessen, hoffentlich aber nicht die Tatsache, dass die Serie dadurch kurz vor dem Ende stand..."

In diesen zwei Sätzen und in der Begründung, die Matz nun dafür heranzieht, findet sich komprimiert die Meinung vieler Fans, Atlantis-Leser und Nicht-Atlantis-Leser. Obige These versucht er zu belegen, indem er nachzuweisen versucht, dass (1) ATLAN in diesem Bereich (also Bd. 300-499) primär Fantasy gewesen sei, dass (2) Fantasy und SF in Deutschland damals inkompatibel gewesen seien, und (3) der Fantasy-Ausflug deshalb ein Flop gewesen sei.

Genauer eingehen werde ich im folgenden zunächst auf die drei „Hauptlegenden", die den Atlantis-Zyklus umranken - die angeblich sinkende Auflagenzahl, der Fantasy-Anteil und die Rückführung der Auflagenzahl auf die Fantasy. Anschließend gehe ich auch auf die tatsächlichen Probleme des Zyklus ein - denn, das sei hier nicht unter den Tisch gekehrt, der Atlantis-Zyklus hat seinen schlechten Ruf, wenn auch nicht ganz zu Recht, so doch aus nachvollziehbaren Gründen.

Zuvor aber noch ein Wort zur „Vergessenheit" des Zyklus: Der Atlantis-Zyklus war in der Tat lange Zeit fast vergessen; doch gibt es in letzter Zeit Anzeichen, dass die Beschäftigung mit ihm zunimmt. Waren noch vor wenigen Jahren Werner Fleischer und Ziska Schmitt einsame Rufer in der Wüste der Atlantis-Gegner und -Verweigerer, so setzen sich zur Zeit Mitglieder von Black Hole Galaxie auf ihrer Internetseite www.pr-materiequelle.de mit dem Atlantis-Zyklus auseinander, und auch Christian Matz' eigener Artikel spricht gegen die von ihm postulierte Vergessenheit - auch negative Kritik ist schließlich eine Form von Interesse. Vergessen ist der Zyklus also noch lange nicht, und seien wir einmal ehrlich: wie viel Diskussion gibt es denn heute um den eindeutig unvergessenen Meister der Insel-Zyklus (PR 200-299)?!

Allerdings versuchte die ATLAN-Serie selbst mit Band 500 einen scharfen Bruch zum Atlantis-Zyklus, und nicht nur durch die neue Handlung, die die Serie wieder eng mit PR verknüpfte, nicht durch nur den Wechsel zurück zur klassischen SF. Auch die LKS wurde ab 502 neu ausgerichtet auf SF-Themen; der Atlantis-Zyklus wurde erst in Bd. 510 (!) auf der LKS wieder erwähnt.

Legende 1: Atlantis = sinkende Auflagezahlen

Weit verbreitet ist das Gerücht, der Atlantis-Zyklus habe die Auflagezahlen der ATLAN-Serie drastisch gesenkt und die Serie gar an den Rand des Aus gebracht - Matz spricht vom „GAU für das Periodikum Atlan". Wenn auch die tatsächlichen Zahlen nicht vorliegen (weil der Verlag darüber wie immer keine Auskunft gibt), sprechen doch viele Indizien gegen dieses Gerücht.

So startete etwa bei Band 360 der ATLAN-Erstauflage eine zweite Auflage der ATLAN-Serie. Noch kurz zuvor (Bd. 338) hatte Voltz die Frage nach einer Neuauflage entschieden verneint - nun kam sie doch. Es ist doch wohl eher unwahrscheinlich, dass man eine zweite Auflage einer Serie herausbringt, deren Verkaufszahlen in der Erstauflage gerade drastisch am Sinken sind.

Dazu kommt, dass ein Zyklus, der schlecht läuft, wohl kaum auf 200 Bände ausgedehnt wird. Es gibt in diesem Zyklus immer wieder Längen und Phasen, in denen vermehrt Füllerromane und -kurzzyklen auftreten - sicher eine der Schwächen des Zyklus, aber zugleich ein Hinweis, dass keinerlei Absicht bestand, Atlantis aus Auflage- oder anderen Gründen abzuwürgen und einen neuen Zyklus zu starten. König von Atlantis ist damit der längste aller ATLAN-Zyklen.

Darüber hinaus waren die 300er Bände natürlich ein Experiment des Pabel-Moewig Verlags in Sachen Fantasy: nachdem DRAGON (1973) noch keinen Erfolg verbuchen konnte und bald wieder eingestellt werden musste, wollte man wohl testen, ob die Zeit reif für Fantasy im Heftformat war. Dies scheint - allen Unkenrufen zum Trotz - in der Tat der Fall gewesen zu sein, denn drei Jahre nach Start des Atlantis-Zyklus startete die neue Fantasy-Serie MYTHOR, die sich immerhin für 192 Bände (bis 1986) auf dem Markt hielt. ATLAN zeitweilig zur Fantasy-Serie zu machen, führte also nicht zum Beinahe-GAU für ATLAN, wie Matz meint, sondern offenbar zu so viel Erfolg, dass der Verlag meinte, sich eine eigene Fantasy-Serie leisten zu können - und damit auch Recht behielt. DRAGON war seiner Zeit voraus; die Fantasy-Elemente im Held von Arkon-Zyklus kamen dagegen bei den Lesern offenbar recht gut an, und MYTHOR war dann für einige Jahre eine durchaus erfolgreiche Fantasy-Serie. Was sagt dies über den Erfolg des Atlantis-Zyklus aus? ATLAN kann zu diesem Zeitpunkt auflagentechnisch so schlecht nicht gelaufen sein, wenn der Verlag innerhalb eines so kurzen Zeitraumes sowohl eine Nachauflage als auch eine völlig neue Heftserie herauszugeben beschloss.

Allerdings wird gerade die hier unterstützend zitierte Zweitauflage ATLANs in einem anderen Zusammenhang häufig gegen den Atlantis-Zyklus in den Zeugenstand gerufen, so auch von Matz - wurde doch eben diese Zweitauflage mit Band 299 eingestellt, also gerade vor Beginn des Atlantis-Zyklus. Matz zitiert in diesem Zusammenhang Reinhold Krämer:

„Der eigentliche Grund für die Einstellung lag nicht darin, dass der Absatz der Serie zurückgegangen war, sondern der Verlag befürchtete, dass er zurückgehen werde, da der mit Nr. 300 beginnende Zyklus schon in der Erstauflage einen beträchtlichen Absatzrückgang bewirkt hatte."

Sollte Krämer oder der ihn zitierende Matz hierzu tatsächlich ernstzunehmende Belege haben, so bleiben sie sie uns schuldig. Ich kann keine Hinweise darauf erkennen, dass dieses - zugegeben häufig gehörte - Gerücht stimmen sollte. In Band 299 der Zweitauflage ist davon die Rede, dass die bisherige Auflage der 2. Auflage nicht den Erwartungen entsprochen hätte. Darüber hinaus wurden in den achtziger Jahren bekanntlich sehr viele Heftroman-Serien und auch einiges aus dem Taschenbuchsektor des Pabel-Moewig Verlags eingestellt. Ist es nicht glaubwürdiger, die Einstellung der Zweitauflage in diesem Kontext zu sehen, als die Schuld dem angeblich schlechten Atlantis-Zyklus zu geben?

Nimmt man die hier gesammelten Indizien zusammen, so kann man klar sagen, dass der hypothetische GAU als eines der meistgehörten Gerüchte um den Atlantis-Zyklus eindeutig ins Reich der Legende zu verweisen ist. Dass die Auflagezahlen zurückgegangen sein sollen, ist zumindest für die 300er Bände nicht glaubhaft zu machen.

Legende 2: Atlantis = Fantasy

Eine zweite Legende - und dies mag zunächst verblüffend klingen - ist die Ansicht, es handele sich bei dem Atlantis-Zyklus um einen Fantasy-Zyklus. Richtig ist, dass der Zyklus so startete. Nicht richtig ist, dass er auch so endete.

Bereits in Band 333 kündigte William Voltz auf der LKS an: „Der Fantasy-Effekt der Atlan-Serie beruht auf der fremdartigen Umgebung von Atlantis. Er wird im Zuge der weiteren Handlung zurückgedrängt zugunsten von mehr SF.", und dies wurde auch bald durchgeführt. Mit dem Auftauchen der Spercoiden (ab Band 339) bekam der bisherige Fantasy-Zyklus eine Handlungsebene, die beinahe reine Science Fiction war, und mit dem Kurzzyklus um den Korsallophur-Stau und die Krolocs (ab Band 377) geriet die Fantasy zeitweilig sogar so stark ins Hintertreffen, dass von ihr kaum noch etwas zu bemerken war.

Dennoch kündigte Willi Voltz in der Zyklusvorschau von Band 399 erneut einen Schwenk in Richtung mehr SF an: „Wie Sie der kurzen Schilderung entnehmen können, liegt der Schwerpunkt der Handlung im neuen Zyklus wieder etwas mehr auf Science-fiction; die Fantasy tritt ein bißchen in den Hintergrund." (LKS 399). Andererseits startete der Verlag ca. bei ATLAN-Band 450 die neue Fantasy-Serie MYTHOR, und entsprechend bemühte man sich wohl auch, das Image beider Serien deutlich voneinander zu differenzieren - ATLAN kehrte immer ausschließlicher zur Science Fiction zurück, und die Fantasy wurde MYTHOR überlassen.

In weiten Bereichen wies der Atlantis-Zyklus letztlich eine Mischung aus Elementen der Science Fiction und Fantasy auf - mit einem deutlichen Übergewicht der Fantasy bis 377 und einem deutlichen Übergewicht der Science Fiction danach.

Der Entschluss, den am Anfang des Zyklus sehr dominanten Fantasy-Anteil im weiteren Verlauf zurückzunehmen, sollte im übrigen nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) auf Leserreaktionen oder etwa zurückgehende Auflagezahlen zurückgeführt werden; die erste Ankündigung der Rückkehr zur SF in Band 333 kam zu einem Zeitpunkt, als aufgrund der Vorlaufzeiten noch nicht ausreichend Reaktionen vorliegen konnten, um tatsächlich festzustellen, wie der Zyklus bei den Lesern ankam; selbst wenn der Start ungewöhnlich schwach gewesen sein sollte, wäre eine Umorientierung zu diesem Zeitpunkt ein kaum nachvollziehbarer Schnellschuss gewesen. Wahrscheinlicher ist, dass William Voltz von Anfang an mit der (von Kurt Bernhard offenbar aufoktroyierten) Fantasy-Thematik nicht sonderlich glücklich war und deshalb zur vertrauteren SF zurückschwenkte. (Auch diese hielt den überarbeiteten Voltz zuletzt nicht mehr auf Atlantis, woran sein Herz offenbar nicht sehr hing - er gab die Exposéredaktion mit Band 444 an Marianne Sydow ab.)

Matz hat in seiner Zusammenstellung diverse Zitate herangezogen, um nachzuweisen, dass es sich beim Atlantis-Zyklus primär um Fantasy handle. Dass diese Zitate nicht belegen, was er zu belegen versucht, sei hier kurz gezeigt: Dass ATLAN während des gesamten Atlantis-Zyklus (300-499) primär Fantasy war, behauptet Hans-Edwin Friedrich in „Science Fiction in der deutschsprachigen Literatur" gar nicht - die zitierte Aussage bezieht sich nicht auf den Atlantis-Zyklus als ganzen: „Vorreiter [im Bereich Fantasy] war der Pabel-Moewig-Verlag, der 1973 eine Fantasy-Heftromanserie mit festem Serienhelden [Dragon...] publizierte und später die Perry-Rhodan-Schwesterserie Atlan zeitweilig zur Fantasy-Serie umfunktionierte." (S. 346/47) Mit welchem Recht Matz Griese, der nach eigener Angabe den Zyklus gar nicht ganz gelesen hat, als Kronzeugen anführen will, ist auch unklar - Griese sagt im „Perry Rhodan Werkstattband": „Ich gebe auch zu, dass ich nicht alle Romane des "Atlantis-Zyklus" gelesen habe, weil ich nun einmal kein Fantasy-Freak bin." (S. 169) Grieses Meinung über Atlantis hat noch nicht einmal die eigene Lektüre zur Voraussetzung. Muss man dazu noch mehr sagen?

Auch Rüdiger Schäfer attestiert dem Zyklus nur einen Fantasy-Beginn. Aus „Das große Perry Rhodan Fanbuch" entnimmt Matz: „Die zu Beginn des Zyklus angeschlagene Fantasy-Thematik kam bei den Lesern nicht gut an [...] gelten die Atlantis-Romane heute als Flop." (S. 314) Er zitiert hier ausgesprochen selektiv und sinnentstellend - das Zitat lautet vollständig (Ausgelassenes unterstrichen): „Die zu Beginn des Zyklus angeschlagene Fantasy-Thematik kam bei den Lesern nicht besonders gut an, und trotz der späteren Rückbesinnung auf SF-Elemente gelten die 200 Atlantis-Romane heute als Flop (was allerdings nichts über ihre zweifellos vorhandene Qualität aussagt)." (S. 314) Außerdem betont Schäfer in demselben Artikel die Aktualität des Fantasy-Themas - es habe damals „voll im Trend" (312) gelegen. Aus dem Conbuch von 1991 zitiert Matz irreführender Weise aus der notwendig verkürzenden Chronologie, denn einen Artikel zum Thema gibt es dort nicht.

Der (auch von Matz zitierte) Begriff aus dem „Lexikon der Sciencefiction Literatur", „Science Fantasy", (S. 1139) kann in diesem Zusammenhang als noch am besten treffend für den Atlantis-Zyklus bezeichnet werden - wie die Sache wirklich liegt, kann man etwa der Internetseite www.pr-materiequelle.de entnehmen - dort schreibt Bernd Labusch zum Atlantis-Zyklus:

Die Romane 300 bis 499 besitzen einen starken Fantasy-Anteil und waren daher bei den Fans sehr umstritten. Zudem zerfällt der Zyklus in zwei sich deutlich unterscheidende Abschnitte. Die Hefte 300 bis 399 (Erkundung von Pthor, Kampf um die Herrschaft und gegen verschiedene Invasionen und die Reise in die Schwarze Galaxis). Die Hefte 400 bis 499 spielen ausschließlich in der Schwarzen Galaxis und besitzen einen weitaus höheren SF-Anteil, zeitweilig wird der Fantasy-Einfluß vollständig zurückgedrängt.

Dass Fantasy in Deutschland keine „Schnittmenge" - ich vermute, Matz meint Teilmenge - der SF sei, trifft zwar zu. Allerdings haben Fantasy und SF durchaus eine Schnittmenge, und zwar keine kleine. Der Atlantis-Zyklus gehört dazu. Warum allerdings die Zuordnung unter das eine oder das andere Label so entscheidend für den Erfolg des Zyklus gewesen sein soll, bleibt mir unklar. Genreüberschneidungen gab es schon immer und wird es immer geben - Puristen mag das stören, aber welche der typischen Heftromanleser setzen sich schon mit Genrefragen auseinander oder kennen tatsächlich den genauen Unterschied zwischen den verschiedenen phantastischen Genres?

Legende 3: Atlantis = Fantasy = sinkende Auflagezahlen

Die beiden vorigen Legenden verknüpfen sich im Bewusstsein der meisten Fans zu einer Kausalität - weil der Atlantis-Zyklus einen so hohen Fantasy-Anteil hatte, kam er bei den Lesern schlecht an. Diese Meinung wird auch von Fans vertreten, die selbst den Atlantis-Zyklus schätzen - das war das Ergebnis diverser Gespräche um Atlantis auf den Sinziger PR-Tagen 2002. Ist nun schon der Misserfolg des Zyklus selbst fraglich, so noch um so mehr die These, besagter Misserfolg liege an dem hohen Fantasy-Anteil (oder auch an der misslungenen Mischung von Fantasy und SF). Nähme man diese These ernst, so hätte die Auflage in den 400er Bänden bereits wieder steigen müssen. So lässt sich dieses Gerücht noch leichter ins Reich der Legende verweisen als dasjenige von der schlechten Auflage an sich.

Dass die Mischung aus SF und Fantasy, die den Atlantis-Zyklus eine lange Zeit dominierte, den Lesern so unangenehm gewesen sein könnte, dass die Auflagezahlen darunter stark gelitten hätten, ist auch aus einem weiteren Grund äußerst unwahrscheinlich. Denn bereits der vorhergehende Zyklus, Der Held von Arkon, ein im übrigen sehr lange und durchaus erfolgreich laufender Zyklus, der derzeit sogar in Buchform wieder aufgelegt wird, zeichnete sich durch seine Mischung von SF-Elementen mit Fantasy aus. Auch Michael Thiesen stellte fest, dass sich in diesem Zyklus „ohne Mühe auch die irrationalen Elemente der Fantasy entdecken ließen."

Schon die Grundanlage des Zyklus basiert auf einem Märchen- und Fantasy-Motiv - der im Verborgenen heranwachsende Prinz (Kristallprinz), der seinen Onkel, den bösen König (Imperator), besiegen muss. Dazu kommen Elemente wie Fartuloons Rüstung und sein Skarg, die mehr zu Sword and Sorcery als zu klassischer SF gehören, Barbaren (Ra), Göttinnen (Ischtar), die Lebenskügelchen, die Ischtar-Maschine u.v.a.m. Diese Mischung ist auch den Lesern durchaus aufgefallen, und noch nie ist behauptet worden, sie habe dem Zyklus geschadet. Warum also sollte dies im Falle von Atlantis anders gewesen sein?

Wie riskant war ATLANs Ausflug in die Fantasy also wirklich? Dass er ein gewisses Risiko darstellte, ist anzunehmen. Aber nach DRAGON und den Fantasy-Elementen des Held von Arkon-Zyklus hielt Kurt Bernhard die Zeit wohl für reif, einen neuen Versuch in Richtung Fantasy zu unternehmen - ein Versuch, der so misslungen nicht sein kann, denn sonst hätte Pabel-Moewig es wohl kaum für ratsam gehalten, nur drei Jahre nach dem Start des Atlantis-Zyklus (der sich zu diesem Zeitpunkt wieder in Richtung SF orientiert hatte) die reine Fantasy-Serie MYTHOR zu starten.

Kurz und gut: die beliebte Rückführung des angeblichen Misserfolgs des Atlantis-Zyklus auf die Fantasy ist letztlich nur ein Gerücht. Das Genre gibt einen Sündenbock her für eine allgemein negative Einschätzung des Zyklus - doch die wirklichen Probleme des Zyklus liegen an ganz anderer Stelle.

Die Wirklichkeit: Krisen um Atlantis

Der Grund für den schlechten Ruf des Zyklus liegt meiner Meinung nach an zwei Aspekten. Zum einen ist da die Isolation vom Rest des RHODAN/ATLAN-Universums, zum anderen das Auseinanderfallen in kaum zusammenpassende Hälften.

Der Zyklus geht sehr weit von allem ab, was sonst in den RHODAN/ATLAN-Kosmos gehört, ist nicht „integrierbar" in diesen Kosmos - nicht nur aufgrund von Atlans Gedächtnislücke, die verhindert, dass er in das komplexe Gefüge eines Universums einging, in dem man sonst jederzeit darauf gefasst sein muss, dass irgendein Volk, Ort oder Ereignis vergangener Zyklen plötzlich wieder aufgegriffen wird, sondern auch, weil er in einem nicht weiter bestimmten oder bestimmbaren Irgendwo spielt und trotz der Einführung von Schwarm, Anzug der Vernichtung, Mächtigen und Superintelligenzen atmosphärisch gesehen einfach kein Bestandteil des normalen Serienkosmos zu sein scheint.

Das größte Problem des Atlantis-Zyklus ist aber, dass er nicht nur Brüche und Schwachstellen aufweist, sondern ganz deutlich in zwei Teile zerfällt, die sich nicht zu einem Ganzen fügen wollen. Darauf werde ich im Anschluss genauer eingehen und die verschiedenen Phasen des Atlantis-Zyklus kurz durchsprechen, um seine Brüche zu lokalisieren.

Natürlich hat nicht nur der Atlantis-Zyklus seine Probleme und Inkonsistenten, sondern jeder andere Zyklus auch: der Held von Arkon-Zyklus bestand zeitweise aus einem andauernden Planetenspringen, das jedem Roman eine neue Welt zuwies, und auch der beliebteste Zyklus aller Zeiten und Serien, der Meister der Insel-Zyklus der PR-Serie, strotzt bei genauerem Hinsehen ebenso sehr oder wenig vor Inkonsistenten wie jeder andere Zyklus auch. Doch nichts so sehr wie das Ende eines Zyklus bestimmt den Ruf, der dann im Gedächtnis der Leser verbleibt - man kontrastiere den phantastisch endenden MdI-Zyklus mit dem Fiasko der Abruse oder auch letzteres mit dem gelungenen Ende des Hamamesch-Zyklus! So sehr sich Marianne Sydow bemüht hat, am Ende die zerfaserten Handlungsfäden zusammenzuknüpfen zu einem schlüssigen Finale - und man muss doch zugeben, dass Anfang (der 300er Bände) und Ende (der 400er) kaum zum selben Zyklus zu gehören scheinen; das Potential der ersten Hälfte wird in der zweiten nicht nur nicht ausgereizt, sondern ganz und gar verspielt und in etwas anderes verkehrt. Seine beste Zeit hatte der Atlantis-Zyklus meiner Meinung nach bis Band 374.

Phase 1: Das neue Atlantis (300-334)

Die erste Phase des Zyklus, die Odyssee Atlans und Razamons auf Pthor bis hin zum Fall der Herren der FESTUNG, wirkt schon allein durch die Konstanz von Schauplatz und die Hauptpersonen sehr geschlossen. Die in Band 300 veröffentlichte Karte ist hier Programm - in ihr liegen Konzeption und Kohärenz des ersten Zyklusabschnittes verborgen. Das Duo Atlan/Razamon wird nach und nach durch Nebenfiguren erweitert (der Wolf Fenrir, Koy der Trommler, Kolphyr/Gloophy, das Antimateriewesen), man erfährt mehr über den Dimensionsfahrstuhl, Nebenfiguren mit eigenen Handlungslinien werden eingeführt (Odinskinder), doch alles in allem bleibt dieser Zyklusteil dominiert von der Landkarte, die in Band 300 die Leser bereits auf Kommendes „heiß machte", und auf der man dann den Weg seiner Helden verfolgen konnte - dadurch wirkt dieser Zyklusteil sehr kompakt. Ein komplexer Hintergrund wird aufgebaut, und auf vieles wird angespielt, das in den folgenden Bänden noch eine Rolle spielen wird - so etwa die Odin-Thematik oder das am Ende des Zyklus wieder aufgegriffene Parraxynt und die Yuurth-Katze.

Phase 2: Wolcion/Spercoiden (335-357)

Die zweite Phase des Zyklus führt uns nach einer Vorphase (Erkundung der Unterwelt von Pthor, Kollision mit La'Mghors Wassermasse) in die Galaxis Wolcion, und hier treten mit den Spercoiden auch die von Willi Voltz angekündigten Science Fiction-Elemente auf. Dennoch hängt dieser Zyklusteil noch gut zusammen mit dem Grundthema: das Geheimnis um Atlantis und seine Auftraggeber ist Hauptthema in der Episode um die Unterwelt und die dort befindliche „Seele" von Pthor; und während Atlan seinen Ausflug zu den Spercoiden unternimmt, versuchen die Odinssöhne, ihre Herrschaft über Pthor zu konsolidieren, während Thalias Trip zu den Magiern und deren Erstellung einer Odin-Maske bereits auf die nächste Phase des Zyklus vorbereitet, in der mit Odin ein Element der Atlantis-Mythologie eine große Rolle spielen wird. Die SF- und Fantasy-Elemente werden in dieser Phase somit sehr gut integriert. Allerdings wird die Spercoiden-Handlung am Schluss regelrecht abgewürgt, der große Gegenspieler Sperco auf den ersten Seiten eines Romans (357) im Eilverfahren abserviert und zu für Atlantis relevanteren Themen übergegangen.

Phase 3: Odin/Dimensionsschleppe/Vonthara (357-376)

Die dritte Phase des Zyklus bringt die Kombination von drei zentralen Elementen, die alle sehr stark mit dem Thema des Zyklus (die Geheimnisse von Atlantis und dessen mysteriöse Beherrscher) zusammenhängen: die Handlungsstränge um Odin, das Vonthara und die Dimensionsschleppe. Dieser Abschnitt schaltet Elemente der Atlantis-Mythologie (Odin und seine Söhne) geschickt ineinander mit einer neuen Bedrohung seitens der Herrscher der Schwarzen Galaxis (Vonthara und Dornröschenschlaf), was zur Erkundung der Dimensionsschleppe von Seiten Atlans führt. Obwohl dies - nach Pthor selbst und dessen Unterwelt - bereits die dritte unbekannte und phantastische „Welt" ist, die der Arkonide in Folge erkunden darf, kommt hier nie Langeweile auf, vor allem, da dies alles noch so gut mit dem Grundthema des Zyklus zusammenhängt. Die Hintergründe von Atlantis werden angereichert durch Odin und die Dimensionsschleppe, und man bekommt Hinweise auf die große Bedrohung, auf die man zufliegt.

Phase 4: Korsallophur-Stau (377-391)

Band 377 bringt den ersten größeren Bruch in diesem Zyklus. Mit der vierten Phase des Zyklus endet die schöne Kohärenz - man kommt vollkommen vom Thema ab. Atlantis hat, nach dem Zusammenstoß mit La'Mghors Wassermasse, die zur Landung in Wolcion geführt hatte, schon wieder eine „Kollision im Nichts", und es kommt ein eigentlich sehr schöner Kurzzyklus um den Korsallophur-Stau und dessen Völker, gegen den es nur eines zu sagen gibt: er hat mit der eigentlichen Handlung des Zyklus, mit dem Thema, rein gar nichts zu tun. Es handelt sich im Grunde lediglich um 15 Füllerbände. Dass hier auch die Science Fiction-Elemente deutlich die Überhand haben und die Fantasy fast völlig verschwunden ist, verschärft nur den Bruch zu den vorhergehenden Romanen. Der Versuch, eine Science Fiction- und Fantasy-Synthese in Form der GOL'DHOR, eines magischen Raumschiffes, herzustellen, misslingt größtenteils, da keiner der Autoren diese Magie glaubhaft zu schildern weiß. Allerdings fällt dem Leser dieser Bruch erst in der Retrospektive so deutlich auf; die Figuren erzeugen hier noch eine gewisse Kohärenz mit dem bisherigen Zyklus. Dies wird mit Band 400 dann anders werden.

Phase 5: Vorfeld der Schwarzen Galaxis (392-399)

Mit der fünften Phase, die im Vorfeld der Schwarzen Galaxis spielt und auf den neuen Zyklusteil vorbereiten soll, ist der Zusammenhang mit den Grundthemen des Zyklus nach außen hin wieder gegeben - doch anstatt auf den neuen Zyklusteil nach 400 „heiß gemacht" zu werden, bekommt der Leser nur eine Aneinanderreihung weitgehend ergebnisloser Erkundungen in Form von unzusammenhängenden Füllerbänden vorgesetzt - es wird Zeit geschunden bis Band 400. Um eine tatsächliche Vorbereitung auf den neuen Zyklus handelt es sich nicht - nur Band 399 kann wirklich Spannung auf die Schwarze Galaxis erzeugen.

Phase 6: Vorstoß in die Schwarze Galaxis (400-422)

Band 400 bringt den größten Bruch des Zyklus. Atlan verlässt Atlantis aus nicht nachvollziehbaren Gründen, und das gesamte bisher aufgebaute Szenario wird völlig zurückgelassen und ignoriert. Die bisherigen Themen werden nicht wieder aufgegriffen, die Figuren abgeschoben mit Ausnahme von Thalia. Die ‚Erkundung' der Schwarzen Galaxis bietet uns vorerst nur orientierungslose ‚Episödchen'. Man springt wie seinerzeit im Arkon-Zyklus von Planet zu Planet, ohne dass aber irgendein roter Faden vorhanden zu sein scheint. Figuren und Schauplätze lösen sich willkürlich ab, man hat zu keiner Zeit eine Vorstellung davon, wo man sich befindet oder wohin man fliegt, das Karl-May-Phänomen greift um sich (Atlan wird gefangengenommen, befreit sich, wird wieder gefangengenommen, befreit sich wieder usw. - die klassische Handlung des „Radebeuler Westerns"). Atlantis selbst, das als konstanter Schauplatz in den 300ern so lange Zeit für einen Zusammenhalt des Zyklus gesorgt hatte, ist völlig im Hintergrund verschwunden. Kurzum: Nach Band 400 kommt die große Krise des Atlantis-Zyklus in seiner Gesamtheit. Der zu dieser Zeit anscheinend überarbeitete Voltz konnte für eine magische Galaxis keine schlüssige Konzeption finden.

Phase 7: Konfusion pur (423-443)

Noch schlimmer als in der ersten Erkundungsphase kommt es, als Atlan auch noch seine Begleiterin Thalia verloren hat (422). Im folgenden wird er Experimente an seinem Zellaktivator erdulden, seinen Extrasinn verlieren und wiedergewinnen, und schließlich nach Pthor zurückkehren. Was über die vorige Phase gesagt wurde, gilt hier doppelt. Unzählige Einschübe (um Pthor, Razamon, Leenia, Algonkin-Yatta) charakterisieren diesen Abschnitt, der dadurch völlig zerfasert - kaum zwei Romane verweilen bei derselben Handlungsebene. Das Planetenspringen wird noch schlimmer als bisher. Kein roter Faden, nicht einmal ein Fäserchen mehr ist sichtbar. Hier liegt die schlimmste Krise des Zyklus - völlige Orientierungslosigkeit gepaart mit völliger Perspektivlosigkeit führt dazu, dass hier mit Ausnahme des Endes der ATLAN-Serie die schlechteste Phase vorliegt, die die Serie je hatte. Auch 40 Bände nach Beginn des Teilzyklus hat man immer noch keinerlei Ahnung, was das Ganze eigentlich soll.

Am Ende vertreiben die Bewohner der Höheren Welten den Neffen Duuhl Larx von Pthor, der allerdings Atlan, Razamon und Kennon mitnimmt - die Überleitung zum nächsten Abschnitt.

Phase 8: Dorkh (444-472)

In dieser verfahrenen Lage wird zur Notbremse gegriffen - und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen übergibt der überarbeitete Voltz, der offenbar nicht mehr in der Lage war, den Zyklus zusammenzuhalten oder wieder auf die rechte Bahn zu bringen, die Exposéredaktion an Marianne Sydow, und zum anderen wird zu einem Mittel gegriffen, das Voltz zuvor noch explizit abgelehnt hatte: Auf der LKS von Band 374 hatte Wolfram Winkler spekuliert, „daß Pthor nur ein Teilstück eines größeren Ganzen war und ist", und vorgeschlagen, Atlan auf die Suche nach „den 6-8 anderen Teilen Pthors" zu schicken. WiVo kommentierte dies: „Was die Parallelwelten usw. angeht, sind wir der Ansicht, daß sie ein sehr heikles Thema darstellen, weil die Gefahr, daß alles sehr unübersichtlich wird, sehr groß ist. Ähnliche Bedenken haben wir mit der Geschichte der anderen Bruchstücke von Pthor, die im Grunde genommen ja nichts anderes sind als Parallelwelten."

Nun aber gehen wir auf ein anderes Bruchstück, und wir beginnen im Prinzip die Erkundung von Atlantis aufs neue - nur diesmal unter dem Namen Dorkh. Allerdings ist dies letztlich nichts weiter als eine deprimierendere Version der ersten Phase des Zyklus: wieder wird ein Dimensionsfahrstuhl erkundet - und die Ähnlichkeiten sind dabei auch noch sehr groß! -, wieder werden die Beherrscher bekämpft. Doch die örtliche Konstanz und die kleine Gruppe der Hauptpersonen hilft, Kohärenz und roten Faden wieder herzustellen.

Dorkh kann man als Einschub zur Zeitgewinnung ansehen, denn an dieser Stelle (444) übernimmt Marianne Sydow die Exposés eines völlig konfus und ziellos gewordenen Zyklus, und die Dorkh-Episode gibt ihr die nötige Zeit zur Planung. Im folgenden gibt sie sich redlich Mühe, die verfahrene Handlung wieder in die Gänge zu bringen und die zerfaserten Handlungsfäden wieder zusammenzuführen. Über Konzeptionslosigkeit kann man von nun an nicht mehr klagen.

Phase 9: Der Dunkle Oheim

Nachdem Marianne übernommen und begonnen hat, die verworrenen Fäden des Zyklus auf ein Ende hin zusammenzuspinnen, greift die Zykluskohärenz zwar wieder, doch meint man sich in einem völlig neuen Zyklus zu befinden, der mit den Bänden 300-375 nur noch Begriffe, aber weder Atmosphäre noch Genre gemeinsam hat. Die Science Fiction ist nicht nur deutlich in der Überhand, sondern hat fast völlig übernommen; die Fantasy-Elemente in diesem Abschnitt sind kaum stärker als in jedem beliebigen anderen ATLAN- oder PR-Zyklus. Die Magier, denen Sydow einen weit größeren Stellenwert gibt als Voltz es getan hatte, sind das einzige Residuum des Magischen, das in den 400er Bänden noch verblieben ist, und selbst sie muten eher an wie eine Gruppe sehr merkwürdiger Mutanten denn wie glaubhafte Vertreter eines magischen Kosmos.

Ausführlicher will ich auf diesen Abschnitt nicht eingehen - im folgenden gibt es keine signifikanten Brüche mehr. Das Ende weist allerdings einige Längen auf - zunächst wird die Handlung zu sehr gestreckt und dann zuviel in einen einzigen Band gestopft, so dass das Finale kaum zur Geltung kommt. Auch dies trägt zum eher schwachen Gesamteindruck des Zyklus bei, denn nicht der erste, sondern der letzte Eindruck verbleibt dem Leser im Gedächtnis - leider. Es wäre viel besser, Band 300 im Gedächtnis zu behalten, als Band 499.

Das größte Problem des Atlantis-Zyklus ist letztlich, dass er in zwei Teile zerfällt, die nicht mehr vereinbar sind. Anfang und Ende sind trotz Wiederaufgreifen von Begriffen und Themen am Ende so verschieden, dass sie zusammen keinen geschlossenen Zyklus abgeben können, und genau in dieser Diskrepanz der beiden Hauptteile des Zyklus - 300-375 (fantasylastig) und 443-499 (SF) liegt eindeutig der größte Schwachpunkt des Atlantis-Zyklus. Das Problem liegt damit letztlich nicht im Genre, sondern in der Konzeption bzw. im Mangel daran. Marianne Sydow, der es zufiel, den Zyklus zu seinem Ende zu bringen, hatte es nicht leicht, den verfahrenen Karren noch herumzureißen, und die von ihr erzeugte Schlüssigkeit und Kohärenz des Zyklusteiles ab 444 ging letztlich auf Kosten der Kohärenz des Zyklus als ganzem. Sie konnte nicht erfolgreich an den Stil und die Atmosphäre der ersten 77 Bände anknüpfen, da sich Voltz in der Zwischenzeit schon zu weit davon entfernt hatte, und nun haben wir einen zweigeteilten Zyklus, der dennoch von Lesern und Fans im allgemeinen über einen Kamm - und zwar über den des Endes - geschoren wird. Damit übersieht man meist das enorme Potential dieses Zyklus, das vor allem in der ersten Phase verborgen liegt. Es hätte es verdient, dass man sich wieder darauf besinnt.

Zyklus-Analyse 3

Das Neue Atlantis

Robert Hectors Zyklusanalyse

(mit freundlicher Genehmigung von Robert Hector)

Allgemeine Hintergrundinformationen

Mit Band 300 („Das Neue Atlantis“) begann im Juni 1977 ein Zyklus, der den legendären Kontinent Atlantis zum Thema hatte. Die Fantasy hatte Mitte der 70er Jahre in der BRD Hochkonjunktur, bei Pabel-Moewig erschienen unter anderem die Heftserien DRAGON und MYTHOR, so daß auch die Atlan-Serie auf diesen Zug aufspringen wollte. Magier, Zauberer und Dämonen, vermischt mit Horrorelementen, bestimmten in diesem Zyklus das Geschehen, die Meinungen der eher der „Hard-SF“ verhafteten Leser waren sehr zwiespältig. Dabei war in der Gesamtschau der Zyklus gar nicht schlecht, vor allem, weil es Marianne Sydow gelungen war, das Ende der Geschichte in den großen kosmologischen Überbau des Perry Rhodan-Universums zu integrieren. Superintelligenzen und die Beschleunigung von Leben und Intelligenz im Universum - diese Themen waren zu dieser Zeit in der PR-Serie bestimmend. Der Zyklus wäre wohl eher angenommen werden, wenn er von vornherein auf nur 100 Bände konzipiert gewesen wäre. So gab es zeitweise unerträgliche Längen mit vielen Planetenabenteuern, wobei zwischendurch der Eindruck entstand, daß die Autoren nicht mehr wußten, wohin sie die Handlung steuerten. Willi Voltz hatte mit Heft 448 die Exposéredaktion an Marianne Sydow übergeben - wohl wegen Arbeitsüberlastung mit der PR-Serie. Der Atlantis-Zyklus lief von 1977 bis 1981 - die Perry Rhodan - Serie erlebte in diesen Jahren ihre goldene Zeit. Im Grund genommen war der Name „Atlantis“ im Zusammenhang mit dem Zyklus irreführend, auch wenn es Andeutungen gab, daß der Kontinent Pthor in der Vergangenheit ein wahres Paradies gewesen sein muß. Eine konzentrierte Zusammenfassung der Grundideen des Atlantis-Zyklus gab Horst Hoffmann in Heft Nr. 323 („Wächter des Goldenen Vlieses“): „Wieder stieg ein grauenhafter Verdacht in Atlan empor. Eine weitere Spukgestalt aus den Sagen der Terraner. Der Minotaurus ! Atlan fielen Bilder ein, die er von dem stierköpfigen Monstrum gesehen hatte, das einst auf der Insel Kreta in einem Labyrinth unter dem Königspalast gelebt haben sollte und in regelmäßigen Abständen Menschenopfer dargebracht bekam, bis der junge Theseus ihm den Garaus gemacht hatte. Hatte auch diese Legende ihren Ursprung auf Pthor? Konnte es nicht sein, daß bei dem letzen Auftauchen des Dimensionsfahrstuhls auf der Erde Menschen nach Atlantis gebracht wurden und daß einigen von ihnen die Flucht gelang? Spielte nicht der Mythos von Atlantis gerade in den frühen Kulturen im Mittelmeerraum eine bedeutende Rolle? War es nicht Platon gewesen, der über Atlantis Zeugnis abgelegt hatte? Die Legende vom Goldenen Vlies! Jason und die Argonauten! Der Gedanke daran trieb dem Arkoniden den Schweiß auf die Stirn. Es ist nicht realistisch! meldete sich das Extrahirn. Du mußt dich auf die wirklichen Gegebenheiten konzentrieren! Was waren die „wirklichen Gegebenheiten“? Seitdem Atlan die Küste des neuen Kontinents betreten hatte, schien Reales und Irreales ineinander überzufließen. Die Gestalten der Edda, der nordischen Götterdichtung, waren zum Leben erwacht. Dunkle Magie und finstere Mächte beherrschten Pthor..."

Zyklus-Analyse 4

Der Atlantiszyklus in der Kritik von Bernd Labusch

mit freundlicher Genehmigung des Autors darf der Beitrag veröffentlicht werden


Liste der Unterzyklen
1 Das neue Atlantis, Heft 300 bis 332, 2648 n. Chr.

2 Die Atlantis-Patrouillie, Heft 333 und 334, 2649 n. Chr.

3 In der Hades-Zone, Heft 335 bis 338, 2649 n. Chr.

4 Der Tyrann von Wolcion, Heft 339 bis 355, 2649 n. Chr.

5 Der Feigling von Loors, Heft 356 bis 363, 2649 n. Chr.

6 Die Dimensionsschleppe, Heft 364 bis 370, 2649 n. Chr.

7 Aufstand der Magier, Heft 371 bis 374, 2649 n. Chr.

8 Die Zeitpanne, Heft 375 und 376, 2649 n. Chr. / 162 n. Chr. bis 166 n. Chr.

9 Im Korsallophur-Stau, Heft 377 bis 391, 2649 n. Chr.

10 Im Halo der Schwarzen Galaxis, Heft 392 bis 399, 2650 n. Chr.

11 Vorstoß in die Schwarze Galaxis, Heft 400 bis 426, 2650 n. Chr.

12 Der Extrasinn, Heft 427 bis 435, 2650 n. Chr.

13 Die Rückkehr nach Pthor, Heft 436 bis 439, 2650 n. Chr.

14 Der Schwarzschock, Heft 440 bis 443, 2650 n. Chr.

15 Dorkh, Heft 444 bis 472, 2650 n. Chr.

16 Der Dunkle Oheim - Das Ende der Neffen, Heft 473 bis 485, 2650 n. Chr.

17 Der Dunkle Oheim - Der Hohlplanet, Heft 486 bis 499, 2650 n. Chr


„Das Neue Atlantis“ so lautete der Untertitel der Atlan-Heftserie ab Heft Nr. 300, des-sen erster Roman ebenfalls unter diesem Titel, geschrieben von William Voltz, im Juni 1977 erschien. Die Handlung spielt zu Zeiten des Solaren Imperiums in den Jah-ren 2648 n. Chr. bis 2650 n. Chr., ohne sich jedoch ernsthaft mit dem USO-Zyklus zu schneiden. Denn Atlan verschlägt es bereits im ersten Heft auf die fliegende Insel Pthor, auf der er eine wilde Odyssee erlebt. Die Romane 300 bis 499 besitzen einen starken Fantasy-Anteil und waren daher bei den Fans sehr umstritten. Zudem zerfällt der Zyklus in zwei sich deutlich unterscheidende Abschnitte. Die Hefte 300 bis 399 (Erkundung von Pthor, Kampf um die Herrschaft und gegen verschiedene Invasionen und die Reise in die Schwarze Galaxis). Die Hefte 400 bis 499 spielen ausschließlich in der Schwarzen Galaxis und besitzen einen weitaus höheren SF-Anteil, zeitweilig wird der Fantasy-Einfluß vollständig zurückgedrängt. Sicherheitsvorkehrungen, die auf anraten des mysteriösen Razamon durch die So-lAb, die USO und die Solare Flotte getroffen werden, verhindern im letzten Augen-blick, dass die Erde am 30. August 2648 n. Chr einem Überfall aus fremder Dimensi-on zum Opfer fällt. Scheinbar aus dem Nichts erscheint der Dimensionsfahrstuhl Pthor und läßt sich im Atlantik nieder. Zwar wird diese fliegende Insel von einem E-nergieschirm abgeschirmt, doch ist das Weltenfragment seinerseits vom Wölbmantel überspannt, der das Eindringen Unbefugter verhindert. Allein Razamon und Atlan gelingt es nach Pthor vorzudringen. Doch kaum das die Männer am 1. September 2648 die Insel erreichen, verschwindet Pthor scheinbar in das Nichts aus dem es kam. Während die Menschheit aufatmen kann, beginnt damit für Razamon und Atlan erst eine unglaubliche Odyssee durch Zeit und Raum, in die Schwarze Galaxis und ins Reich des Dunklen Oheim. Verantwortlich für das Exposé war bis Heft 443 William Voltz und ab Heft 444 Mari-anne Sydow. Es gibt kaum Berührungspunkte zwischen diesem Atlan-Zyklus und dem übrigen PR-Universum. Lediglich im Rahmen der Atlan-Zeitabenteuer griff Hans Kneifel auf Personen, Orte und Themen des Atlantis-Zyklus zurück.

1. Das neue Atlantis

Bereits während des "Held von Arkon"-Großzyklus nahm der Anteil der Fantasy-Elemente in der Atlan-Serie kontinuierlich zu. Mit dem "neuen Atlantis" riskierten die Autoren einen weiteren, sehr viel weiter gehenden Schritt. Die Hefte 301 bis 332 sind reine “Sword & Sorcery” vor dem SF-Hintergrund des Perry Rhodan-Universums. Oft genug beschränkt sich der SF-Anteil auf die Anwesenheit Atlans. Bei “Sword & Sor-cery” (Schwert und Magie) handelt es sich um jene Spielart der Fantasy, die von vie-len Lesern vor allem mit der Taschenbuch-Reihe “Conan” von Robert E. Howard in Verbindung gebracht wird. Es geht um die Abenteuer wilder Barbaren in einer vor-zeitlichen Welt, in der Männer noch “Kerle” und Frauen noch “Schön und Gehorsam” waren. Die Helden dieser Roman-Gattung gelten als ebenso muskulös - wie unterbe-lichtet. Lange Zeit galt diese Form der Literatur als unterste Stufe der Abenteuerro-mane, was dem jeweiligen Werk oft nicht gerecht wurde. Bereits im Herbst 1973 war, mit Dragon, die erste deutsche Fantasy-Serie gestartet worden. Dragon fand jedoch kaum anklang und wurde bereits im April 1974 nach gerade einmal 55 Heften einge-stellt. Erst 1999 startete eine 19 bändige von Hugh Walker überarbeitete Hardcover-Version, deren Erfolg so groß war, daß ein neuer Abschlußband verfaßt werden konnte. Zudem erschien ein Fortsetzungsband. Und im Oktober 2000 startete die nicht annähernd so erfolgreiche Buchbearbeitung von Mythor. In der Zwischenzeit hat sich der Fantasy-Boom bereits wieder gelegt. Zurück in den Juni 1977, vor allem Kurt Bernhardt als Chefredakteur und William Voltz als Exposé-Autor hofften, daß die Zeit zumindest für einen deutschen SF- und Fantasy-Mix reif sei. Vor allem die “Darkover”-Romane von Marion Zimmer Bradley, die eine zeitgemäßere Interpretation der "Sword & Sorcery"-Themen boten und zu jener Zeit erfolgreich im Rahmen der Terra-Taschenbücher erschienen, nährten die-se Hoffnung. An dem Erfolg mit Darkover wollte man anknüpfen.

2. Atlantis-Patrouille

Der Kundschafter von Ruoryc und seine Begleiter Anlytha und Loggy waren bereits im vorherigen Atlan-Großzyklus: Atlan-Exclusiv - Held von Arkon, Hauptpersonen eines eigenen, kurzen Handlungsstrangs, der die Atlan-Hefte 275, 276, 289 und 290 umfaßt. Alle Romane um Algonkin-Yatta stammen von H. G. Ewers und dabei wird es im wesentlichen auch bis zum Schluß bleiben. Mit diesem Doppelband erfolgt endlich der überfällige Wechsel des Handlungs-schauplatzes. Schon länger erschienen Leserbriefe auf der LKS mit der Frage, wieso keine Reaktionen von terranischer Seite auf die Aktivitäten der ungebetenen Invaso-ren geschildert werden. Hinzu kommt, daß die Thematik der Erforschung des Welten-fragments durch Atlan und Razamon sich langsam erschöpft hatte. Als Reaktion auf einen Leserbrief verkündet William Voltz daher auch auf der LKS von Heft Nr. 333, daß der Fantasy-Anteil in der Handlung der Atlan-Serie von nun an schrittweise zu-rückgefahren wird. Die Erkenntnisse dieses Doppelbands sind jedoch für den Action-Fan eher ernüch-ternd. Dank der rechtzeitig errichteten Paratronschirm-Kuppel ist die Landung von Pthor in keiner Weise zu vergleichen mit dem im Ansatz ähnlichen Szenario der Dscherro-Invasion in den Perry Rhodan-Heften 1875 bis 1899. Es gibt keine Plünde-rungen und kein Chaos. So herrscht natürlich auch keinerlei Besorgnis über eine mögliche Bedrohung. Im Grunde ist die Sorglosigkeit der terranischen Behörden nur als leichtfertig zu bezeichnen. Der Doppelband präsentiert sich letztlich als eine An-sammlung netter Anekdoten.

3. In der Hadeszone

Dieser Viererblock dient vor allem als Überleitung zum nächsten längeren Unterzyk-lus, dem Kampf gegen den Tyrannen von Wolcion, Sperco. Am Ende von Heft Nr. 336 erhält der Leser einen Hinweis auf den Ursprung der Dimensionsfahrstühle. Und in Nr. 337 stellt sich heraus, daß die Seele von Pthor nur von Wesen betreten wer-den kann, die im Dienst der Hohen Mächte stehen und reinen Herzens sind. Die ge-naue Geschichte klärt sich erst ganz am Ende des Zyklus im Heft 499. Eine der Hauptfiguren dieses Abschnitts ist der letzte der Zyklopen Urtyn. Richtig es gab bereits einen Letzten der Zyklopen im Heft Nr. 312 und später gab es Phynx in der Eiszitadelle im Heft Nr. 321. Angesichts der Ähnlichkeit, der jeweiligen Lebens-geschichte von Phynx bzw. Urtyn, gehe ich davon aus, daß es sich stets um den sel-ben Zyklopen, mit wechselnden Namen, handelt.

4. Der Tyrann von Wolcion

Mit diesem Unterzyklus verläßt die Handlung das Weltenfragment Pthor. An die Stel-le der bislang stark von Fantasy-Elementen geprägten Handlung auf dem Neuen At-lantis tritt eine klassische Space Opera, die so auch in jedem anderen Abschnitt der Atlan-Serie oder auch der Perry Rhodan-Serie hätte spielen können. Lediglich die Handlung von Atlan-Heft 345 von Clark Darlton weist mit den Dimensionsblumen, die es, wie die Wunderbohne aus dem Märchen, ermöglichen in eine andere Welt über den Wolken zu reisen, ein starkes Fantasy-Element auf. Die Handlung auf Pthor entwickelt sich kaum vorwärts. Die im Roman 343 von H. G. Francis angedeutete positive Entwicklung in der Metropole Moondrag, gerät im weite-ren Verlauf der Serie in Vergessenheit. Der Roman 348 von Marianne Sydow über die Aktivitäten der Magier besitzt zwar starke formelle Fantasy-Elemente, die jedoch nur Tarnung für eine Mutanten-Story darstellen. Weiter erweist sich das Heft als voll-ständiger Lückenfüller, da der von den Magiern ausgesandte Bote Atlan nie errei-chen wird. Lediglich die Revolte in der Senke der Verlorenen Seelen in den Heften 349 bis 351 wird, mit dem Erwachen von Grizzard und der Ankunft von Lebo Axton alias S. M. Kennon, den weiteren Verlauf der Serie beeinflussen. Die Handlung um das Reich des Tyrannen von Wolcion entwickelt sich zunächst schleppend und wird später ohne Einfluß auf die weitere Entwicklung des Großzyklus bleiben. Star Trek-Fans wird die Erwähnung eines Volks überraschen, das als die Borg bezeichnet wird und den Borgs aus der Fernsehserie tatsächlich recht ähnlich ist, obwohl die Hefte fast ein Jahrzehnt vor dem Start von Next Generation erschie-nen. Extreme Abweichungen im Detail lassen jedoch vermuten, daß hier lediglich eine zufällige Ähnlichkeit vorliegt. Im letzten Viererblock entwickelt die Handlung ein rasantes, von der Atlan-Serie bis dahin nicht gekanntes Tempo. Die Lebensgeschich-te des Tyrannen Sperco, die sich über Jahrhunderte erstreckt, wird in nur einem Band erzählt. Damit handelt es sich bei der Nr. 353 erstmals in der Serie um einen sogenannten Biographien-Roman, wie er bei Perry Rhodan bis dahin nur Wesen vom Kaliber einer Kaiserin von Therm oder eines BARDIOC zustand. Der Zyklus endet sehr abrupt damit, daß das Flaggschiff Spercos auf den letzten Seiten von Heft 355, mit dem Imperator an Bord, zum Planeten Loors aufbricht. Das endgültige Ende der Geschichte gibt es erst im Atlan Nr. 357 als kurzen Rückblick am Anfang des Ro-mans. Das Schiff Spercos ist, dank des von Razamon sabotierten Leuchtfeuers, schlichtweg abgestürzt. Atlan überlebte die Katastrophe, als Träger eines Anzugs der Vernichtung, als Einziger. Eine Frage wird nie beantwortet: Wer schenkte Sperco die relative Unsterblichkeit? Alles in Allem wirkte der Unterzyklus auf mich willkürlich zusammengeflickt. Und das seltsame Ende läßt vermuten, daß ein für wesentlich mehr Hefte geplanter Unterzyk-lus im letzten Moment mit der Notbremse gestoppt wurde.

5. Der Feigling von Loors

Dieser Kurzzyklus eröffnet eine Trilogie von eng miteinander verbundenen Abschnit-ten, die sich vor allem um das Weltenfragment Pthor drehen. Erstmals rücken die Magier von Oth in den Mittelpunkt der Handlung. Dafür sind die Ereignisse um den unsterblichen Arkoniden diesmal nur von untergeordneter Bedeutung. Die Auflösung des Rätsels um Feigling, der sich als der wahre Göttervater Odin erweist, kam recht plötzlich, ebenso die Aktivierung des Vonthara. Diesmal wurden jedoch der Höhe-punkt der Handlung sorgsam vorbereitet und so ist Atlan 363 ein glaubhafter Abschluß des Handlungsabschnitts. Algonkin-Yatta fliegen in den Romanen von H. G. Francis Wolcion mit dem Kund-schafterschiff an, nicht mit der Zeitkapsel. Auch wenn es sich dabei um einen Auto-renfehler handelt, bleiben die Konsequenzen für die weitere Handlung. Im Klartext bedeutet dies, daß die drei Zeitreisenden in ihre eigene Zeit zurückkehrten, denn die RUORYC ist ein schlichtes Raumschiff und keine Zeitmaschine und die Zeitkapsel ist zu klein, um das Kundschafterschiff mitzunehmen. Damit ergibt sich eine überra-schende Erkenntnis, auf die der Leser nicht vorbereitet wurde. Der Wölbmantel hat nach dem Start von der Erde zwar sein Zeitrafferfeld deaktiviert, aber mit der Reise durch den Dimensionskorridor hat Pthor nicht nur einen räumlichen Sprung von der Erde nach Loors vollzogen, sondern wurde mit Heft 339 auch zeitlich aus dem Jahr 2649 n. Chr. in das Jahr 8020 v. Chr. versetzt.

6. Die Dimensionsschleppe

Mit diesem Kurzzyklus macht die Handlung erneut einen kleinen Schlencker. Ähnlich wie die Galaxis Wolcion, wird auch die Dimensionsschleppe für den weiteren Verlauf des König von Atlantis-Großzyklus keine wesentliche Rolle spielen. Allerdings ist der Handlungsschauplatz mit viel Phantasie ausgedacht. Die Autoren scheinen sich so-gar ein eigenes Ökosystem für die Landschaft der im ewigen Winter der ewigen Nacht verharrenden Schleppe ausgedacht zu haben. Und wer bei der Beschreibung der Dimensionschleppe, als ein in einer Paratronblase eingeschlossener Stützpunkt im Hyperraum, an die Para-Arsenale der Zweitkonditionierten denken muß, dem sei jetzt schon verraten, daß dies kein Zufall ist. Auf die Verbindung zwischen den Uleb und dem Dunklen Oheim wird erst im Rahmen des Dorkh-Unterzyklus eingegangen. Mangelt es diesem Abschnitt vielleicht an Handlungsfortschritt, so dient er doch der Einführung neuer Handlungsträger, welche das Gesicht der Serie mitprägen werden. Erwähnt werden müssen hier vor allem die beiden schrägen Magier Gofruun und Heix und die Para-Pyromanin Pama. Welche wichtige Rolle Leenia, die bereits im Heft 360 einen kleinen Auftritt hatte, noch in der Serie spielen wird, läßt sich zu die-sem Zeitpunkt noch nicht erahnen. Die Figur selbst wird weiter ausgebaut und der Schleier über ihre zahlreichen Geheimnisse zumindest zum Teil gelüftet. Einzig Clark Darlton scheint im Eröffnungsband dem Szenario nicht viel abgewinnen zu können. Über die Hälfte seines Romans beschäftigt sich mit den Erlebnissen der Proluren vom Planeten Golzo-Warp. Die beiden unfreiwilligen Helden Maysie und Dellsell sind eine kaum verschleierte Hommage an zwei der wohl bekanntesten Schöpfungen Clark Darltons in der Perry Rhodan-Serie: Gecko und Gucky. Sie fin-den in der weiteren Handlung der Atlan-Serie keine Erwähnung.

7. Aufstand der Magier

Dieser kurze Unterzyklus dient vor allem dem allgemeinen Aufräumen. Lose Enden, die im Verlauf der letzten 70 Hefte entstanden sind, werden gebündelt und zu Ende geführt. Die Handlung um die Magier von Oth wird mit der Haupthandlung verwoben und die Kämpfe zwischen den Magiern erreichen ihr Finale. Schließlich wird Atlan von Odin persönlich zum König von Atlantis ernannt, womit sich der Titel des Groß-zyklus nachträglich erklärt. Darüber, was aus den von Oth verbannten negativen Magiern wird, kann nur speku-liert werden, da sie nach ihrer Niederlage keine weitere Erwähnung mehr in der Serie finden

8. Die Zeitpanne

Wie schon bei den Heften 333 und 334 handelt es sich, um ein in sich abgeschlos-senes Abenteuer von Algonkin-Yatta und seinen Gefährten. Dieser Doppelband ist dermaßen mit Ideen und Verwicklungen in der Handlung vollgestopft, daß es für ei-nen ganzen Großzyklus gereicht hätte. Die Folge ist, daß die gesamte Handlung et-was atemlos und Stichpunktartig abgearbeitet wirkt. Bei dem Atlan-Zeitabenteuer, auf das H. G. Ewers im Heft Nr. 376 verweist, handelt es sich um PR-TB Nr. 199: Sturm über Babylon, das auch im Atlan-Hardcover Nr. 4 enthalten ist. Weiter spielt die Handlung dieses Heftromans teilweise parallel zu der des PR-TB Nr. 266: Hüter des Planeten. Atlan selbst ist 167 n. Chr. nach der Peste-pedemie unter Marcus Aurelius als Gladiator Demitrion in Rom tätig und beschäftigt sich unter anderem als Sklavenbefreier, Arzt und eben Gladiator. Das Taschenbuch ist auch im Atlan-Hardcover Nr. 8 enthalten. Damit hätten Algonkin-Yatta und seine Freunde im alten Rom durchaus auf Atlan treffen können.

9. Im Korsallophur-Stau

Nach dem Kampf gegen den Tyrannen von Wolcion und der Odyssee über die Di-mensionsschleppe ist dies der dritte große Schlenker in der Handlung des "Atlan-König von Atlantis"-Großzyklus. Dafür greifen die Kosmokraten erstmals, wenn auch nur indirekt, in die Handlung ein. Wer die Erbauer dieses Schwarms genau gewesen sind, bleibt offen. Für die Querionen dürfte die Handlung von Atlan 380 zu tief in der Vergangenheit angesiedelt sein. Andernfalls ergebe sich die Frage, nach möglichen Zusammenhängen und Widersprüchen zwischen Korsallophur-Stau und Sternen-ozean von Jamundi (ab PR 2203). Mit Sator Synk ist eine weitere Figur zum Kreis der ständigen Hauptpersonen gesto-ßen. Der Orxeyaner, der einwenig an eine Kreuzung aus Springerpatriarch und Galto Quohlfahrt erinnert, verstärkt dabei den Comedy-Anteil der Handlung. Die Auseinandersetzung zwischen Kennon und Grizzard erreicht einen ersten Höhe-punkt. Die Handlung scheint sich dabei jedoch kaum von der Stelle zu bewegen, da der Kampf ergebnislos abgebrochen wird.

10. Im Halo der Schwarzen Galaxis

Die Auseinandersetzung zwischen Kennon und Grizzard erreicht ihren vorläufigen Abschluß. Die Handlung scheint sich dabei jedoch kaum von der Stelle zu bewegen, da der Kampf erneut ergebnislos abgebrochen wird. Grizzard ist sich nun jedoch endgültig sicher, daß er ohne die Unterstützung eines Magiers von Oth nicht weiter kommt. Im Heft 399 taucht erstmals ein Organschiff aus der Schwarzen Galaxis in der Hand-lung auf. Die Ähnlichkeit der Organschiffe mit den Dolans der Zweitkonditionierten aus den Magellanschen Wolken dürfte dabei kein Zufall sein. Welche Rolle die Uleb genau, im Machtgefüge der Schwarzen Galaxis spielen, wird sich erst später auf Dorkh herausstellen. Und die Robotzivilisation, die von Sator Synk auf dem Planeten Wolterziel vorgefun-den wird, läd zu Spekulationen über die Herkunft der Robotbürger von Wolterhaven ein. Dieser Punkt wird in der Serie jedoch dauerhaft offen gelassen. Damit sind die wichtigsten Punkte dieses Abschnitts aufgezählt, der trotz farbiger Schilderungen den Eindruck hinterläßt, nichts weiter als eine Ansammlung von Lü-ckenfüllern zu sein. Den direkten Vorstoß in die Schwarze Galaxis heben sich die Autoren für die Handlung ab Heft 400 auf.

11. Vorstoß in die Schwarze Galaxis

Die Ankunft Pthors in der Schwarzen Galaxis wirkte sich ernüchternd aus. Beim neu-en Handlungsschauplatz handelte es sich scheinbar um eine gewöhnliche Galaxis, die sich nur durch die dunklen Kerne ihrer Sterne von irgendeiner anderen unter-schied. Was es mit dieser Erscheinung auf sich hat, wird erst sehr spät im Großzyk-lus geklärt. Und unter einem Neffen des Dunklen Oheims, konnte sich scheinbar niemand etwas vorstellen. Die Folge waren zahlreiche Leserbriefe, in denen Leser ihren Unmut kundtaten. Die Handlungsebene um Atlans Expedition wirkt, wie ein zweiter Aufguß des Kurz-zyklus um den “Tyrann von Wolcion”, wobei Chirmor Flog nicht die Faszination eines Sperco erreicht. Hinzu kommen einige Lückenfüller, die von Aufenthalten Atlans auf eher unscheinbaren Planeten berichten und schon im nächsten Roman vergessen sind. Es gab jedoch auch sehr unterhaltsame Romane und interessante Ideen, wie etwa den Strang um die Ärgetzos oder die Gefangenschaft in der Matrix des Meister-träumers. Die zweite Handlungsebene, das Rghul-Revier mit Nomazar alias Razamon im Mit-telpunkt, begann zäh, da es dauerte bis die Handlung in Schwung kam und der Zu-sammenhang dieser Romane mit der übrigen Serie sich erst noch herausstellen mußte. Duuhl Larx stellte als Schurke ein Unikum dar, aus heutiger Sicht eine Kreu-zung aus betrunkenem Helioten und dem Sotho Stalker aus ESTARTU, brachte er ein unberechenbares Moment in die Serie ein und sammelte dank allzu menschlicher Schwächen Punkte. So entwickelt sich der Neffe bald zu einer der Hauptpersonen der Serie. Die Romane auf Pthor wirken dagegen hausbacken und einfallslos, insbesondere das ewige Duell Kennon/Grizzard nervt nur mehr. Auch H. G. Ewers scheint sein Pulver verschossen zu haben und flüchtet sich mit Algonkin-Yatta in Schilderungen immer absurderer Situationen. Lediglich Horst Hoffmann präsentiert im Zusammen-hang mit Leenia einige originelle Ideen, die später an Bedeutung gewinnen, obwohl sie anscheinend nur Eigengewächse des Autors waren.

12. Der Extrasinn

Mit Atlan Nr. 435 und dem Finale dieses Unterzykluses endet die lose Reihe mit A-benteuern des Kosmischen Kundschafters von Ruoryc Algonkin-Yatta und seiner Gefährtin Anlytha in der Atlan-Serie. Lediglich im Atlan Nr. 492 wird Algonkin-Yatta noch einmal am Rande erwähnt. So bleiben leider einige Fragen offen, etwa zur Her-kunft Anlythas oder woher der Atlan des Jahres 2650 n. Chr. den Mathoner bereits kennt. Man könnte jetzt bedauernd feststellen, daß Algonkin-Yattas Rolle in diesem Großzyklus letztlich nicht von großer Bedeutung ist, doch die Romane 434 und 435 sprühen noch einmal vor Phantasie und bilden einen angemessenen Abschluß der Thematik. Meiner Ansicht nach war dies, im Vergleich zur nicht enden wollenden Dauerfehde im Duell der Vertauschten Grizzard/Kennon, die einzige richtige Ent-scheidung. So blieben die Helden, trotz erster Schwächen in den Romanen Nr. 416 und 417, bei den Lesern in guter Erinnerung.

13. Die Rückkehr nach Pthor

Mit diesem Action geladenen Viererblock findet die Haupthandlung der Hefte seit At-lan 400 im Marantroner-Revier der Schwarzen Galaxis ihren endgültigen Abschluß. Die Romane bieten eine dichte und kompakt geschilderte Handlung ohne dabei ge-hetzt zu wirken. Obwohl die Handlung relativ konventionell ausfällt und sich kaum von jener Hunder-ter anderer Atlan- bzw. Rhodan-Hefte unterscheidet, fühlte ich beim Lesen dieser Romane doch ein wenig Erleichterung, die Handlung zwischen Atlan 392 und 435 zog sich zeitweise allzu sehr. Die Person Chirmor Flogs bleibt der Handlung noch eine Weile erhalten. Das Rghul-Revier und vor allem Duuhl Larx rücken hingegen erst jetzt in den Vordergrund.

14. Der Schwarzschock

Dieser Abschnitt markiert eine wichtige Phase des Übergangs. William Voltz bereitet für den Leser spürbar die Übergabe der Exposé-Redaktion an Marianne Sydow vor und der Fantasy-Anteil an der Handlung, der zuletzt gegen Null tendierte, nimmt wie-der spürbar zu. Auch rücken die Magier von Oth, die von ihren ersten Auftritt im Großzyklus an, von Marianne Sydow betreut wurden, wieder ins Zentrum der Handlung. Die neuen nega-tiven Magier werden noch für manche Überraschung gut sein. Die Herrschaft der Trugen auf Pthor findet, kaum das sie begonnen hat, bereits wie-der ein Ende. Duuhl Larx zieht sich jedoch nur für kurze Zeit in den Schmollwinkel zurück. Er hat bereits einen neuen Auftrag für Razamon, Atlan und Kennon in der Hinterhand.

15. Dorkh

Mit dem Unterzyklus "Dorkh" beendete William Voltz vorerst seine Tätigkeit als Ex-posé-Redakteur der Atlan-Serie, ab Heft 451 wird Marianne Sydow offiziell auf der Titelseite der Hefte als Exposé-Redakteurin genannt. Der fast bruchlose Übergang in der Handlung ab Heft Nr. 440, von reiner Space Opera zurück zur Mischung aus Science Fiction und Fantasy, wie sie schon zu Beginn des Atlantis-Großzyklus domi-nierte, läßt vermuten, daß der Wechsel bereits früh und durchaus planmäßig vorbe-reitet wurde. Umgekehrt behielt William Voltz auch nach seinem Rückzug noch Einfluß auf die Serie. Allein der Umstand, daß er weiterhin als Co-Expokrat genannt wird, deutet bereits daraufhin. Hinzu kommt, daß einzelne Ideen, wie die Yarls ge-nannten Riesenschildkröten auf deren Rücken ganze Dörfer Platz finden (erstmals in Atlan 448 bzw. Mythor 1 erwähnt) oder der Titanenpfad (erstmals in Atlan 452 bzw Mythor 12 erwähnt) zeitgleich in beiden Serien auftauchen. Bei der Mythor-Serie lag neben der Rhodan-Serie, die zu diesem Zeitpunkt Heft 1000 erreichte, der Tätig-keitsschwerpunkt von William Voltz im Jahre 1980. Er trug in den ersten 25 Heften die Verantwortung für das Exposé der neuen Fantasy-Serie, die fast zeitgleich mit dem Dorkh-Unterzyklus startete und starke inhaltliche Ähnlichkeiten mit der Atlan-Serie aufweist. Es ist wohl nicht ganz falsch, wenn man vermutet, daß William Voltz das Ausmaß seiner Mitarbeit bei der Atlan-Serie bewußt zu Gunsten seiner Tätigkeit für die neue Mythor-Serie zurückfuhr. Wesentlich auffälliger für den Leser war der Wechsel der Illustratoren. Tais Teng und Josef Dienst wurden im Rahmen des Unterzyklus durch Dirk Geiling und The-mistokles Kanellakis ersetzt. Letzterer wird für lange Zeit die Gestaltung der Innenil-lustrationen der Atlan-Serie prägen. Mit dem Unterzyklus "Dorkh" kehrt der Großzyklus wieder zu seinen ursprünglichen Tugenden zurück. Manche behaupten jedoch, dieser Abschnitt wäre nur ein aus Ori-entierungslosigkeit geborener zweiter Aufguß des ersten Unterzyklus "Das neue At-lantis", doch nach dem Sieg über die Uleb als Herren des SCHLOSSES nimmt die Handlung eine völlig unerwartete, dramatische Wendung. Sie wirft im Nachhinein allerdings die Frage auf, wieso Dorkh überhaupt so breit und ausführlich in die Hand-lung eingeführt wurde, wenn am Ende eine Katastrophe, deren Natur sich erst im nächsten Unterzyklus klären wird, fast alle Bewohner Dorkhs tötet und die Helden von Pthor zur Flucht zwingt. Bemerkenswert ist Dorkh auch insofern, als William Voltz auf der LKS von Heft 374 die Forderung eines Lesers, nach der Erkundung weiterer Dimensionsfahrstühle wie Pthor, weit von sich wies. Das nun vermehrte Auftreten weiterer Weltenfragmente neben Pthor scheint auf einen Konzeptwechsel hinzudeuten. Wobei die Idee, der reisenden, verwunschenen Insel, die von dunklen Mächten beherrscht wird, auch William Voltz nicht los ließ. Jedenfalls taucht im Mythor-Heft Nr. 10 "Insel des Schre-ckens" mit der Insel Zuuk ein Handlungsschauplatz auf, der gewisse Ähnlichkeiten mit den Dimensionsfahrstühlen der Atlan-Serie nicht leugnen kann, jedoch noch im selben Heft abgewickelt wird. Die Rolle der Uleb im Gefüge der Schwarzen Galaxis wird hingegen im Doppelband 463/464 eher am Rande abgehandelt. Hier hätte ich mir von Peter Terrid ein stärke-res Eingehen auf die Hintergründe des Haluterkrieges und der Verwicklung von Ako-nen und Uleb in die Ereignisse, gewünscht. Anders als die Einführung von Pthor, verfügt dieser Unterzyklus über eine zweite Handlungseben, die eben auf diesem neuen Atlantis spielt. Anfangs wirken die Ro-mane um den Machtkampf, der vom Schwarzschock getroffenen Magier und dem Erscheinen Thamum Ghas wie Lückenfüller. Erst nach dem Auftauchen von Duuhl Larx und dem Tod Chirmor Flogs wird deutlich, daß die Handlungsebene Pthor be-reits den Showdown im Ritiquian-System vorbereitet.



16. Der Dunkle Oheim – Das Ende der Neffen

Mit dem vierzehnten und vorletzten Unterzyklus erreicht der Großzyklus um Atlans Abenteuer als König von Atlantis seinen absoluten Höhepunkt. Das Autorenteam un-ter der Führung von Exposé-Autorin Marianne Sydow zeigt noch einmal sein gesam-tes Können, bevor dieser Abschnitt der Atlan-Historie mit dem nächsten Unterzyklus seinen Abschluß findet. Es kommt zum Abschluß der Machtkämpfe um die Schwarze Galaxis und zur Ver-treibung des Dunklen Oheims aus dieser. Die Superintelligenz gehörte zu den inte-ressantesten Schöpfungen des Rhodan-Universums und diente unverkennbar als Vorbild für das erste THOREGON im Tradom-Zyklus der Rhodan-Serie (PR 2100 bis 2199). Doch wirken Hintergrund und Finale des Kampfs um die Schwarze Galaxis wesentlich durchdachter und überzeugender. Trotz aller Monstrosität der negativen Superintelligenz werden die Motive und die Handlungen des Dunklen Oheims von Marianne Sydow überzeugend und für den Leser nachvollziehbar dargestellt. Kämpft doch auch er nur, um das Überleben in einem von den Hohen Mächten beherrschten Universum. Vor allem muß kein Kosmokrat im letzten Moment persönlich aufkreuzen, um eine plötzlich wahnsinnig gewordene Superintelligenz zu stoppen. Es sind die Bewohner der Schwarzen Galaxis selbst, die den Umsturz planen und durchführen. Der endgültige Showdown mit dem Dunklen Oheim wird jedoch für das Finale des Großzyklus aufgehoben.

17. Der Dunkle Oheim – Der Hohlplanet

Mit diesem Unterzyklus endet der Großzyklus um die Abenteuer Atlans als König von Atlantis. Ab Atlan-Heft 500 geht es weiter mit den Abenteuern der SOL. Atlan kehrt nach zweijähriger Abwesenheit von der Erde in die Milchstraße zurück, ohne sich an die Ereignisse auf Pthor und in der Schwarzen Galaxis erinnern zu können. Er wird in Zukunft immer wieder auf diese Zeit angesprochen werden, ob nun vom Historiker Cyr Aescunnar auf Gäa im Jahre 3561 ( Atlan-Hardcover 5) oder durch einfache So-laner wie Olyssario im Varben-Nest im Jahre 3583 (PR-Heft 816). Auch während sei-ner Alleingänge in Manam-Turu im Jahre 3820 (Atlan-Heft 775) und in Alkordoom im Jahre 3821 (Atlan-Heft 847) trifft der Arkonide auf Eingeweihte wie Kingrolli, die ihn vor Rätsel stellen, auf die Atlan keine Antwort weiß. Die Titelbilder der Atlan-Hefte 495 bis 498 stammten erstmals nicht von Johnny Bruck, da dieser zu diesem Zeitpunkt mit gesundheitlichen Problemen kämpfte, muß-te der Verlag Graphiken eines anderen Künstlers bei einer Agentur bestellen. Mit diesem Abschnitt endet der längste Großzyklus der Atlan-Serie. Noch einmal kehrt die Handlung nach Pthor zurück und ein letztes Mal wird den Lesern eine Mi-schung aus starken Fantasy-Elementen und etwas Science Fiction präsentiert. Es kommt zum lange erwarteten Duell zwischen Yephenas und dem Dunklen Oheim. Allerdings hinterläßt dieser Unterzyklus nicht den Eindruck eines Endspurts, eher scheinen sich die Autoren an das Finale in Atlan 499 anschleichen zu wollen. Wobei ich anerkenne, daß sich Marianne Sydow und ihre Mitstreiter große Mühe ga-ben, alle noch offenen Fragen aufzulösen oder zumindest Lösungsansätze anzubie-ten. Damit präsentiert sich der Großzyklus, zum Ende hin, trotz aller Höhen und Tie-fen als einer der rundesten Abschnitte der Serie, der kaum einen Punkt offen läßt. Außer ausgerechnet die Frage, nach dem Schicksals des Dunklen Oheims. Kurz vor Schluß der Serie in Atlan 847 rührt H. G. Ewers noch einmal in dieser offenen Wun-de. Möglich, daß sich irgendwann ein Exposé-Autor seiner erinnert und dem Dunklen Oheim ein verspätetes Finale spendiert, wie es K’UHGAR als Gelber Meister in den Taschenbüchern des Andromeda-Zyklus bekam. Ob der Großzyklus wirklich noch weitere hundert Hefte länger dauern sollte, wie von Werner Fleischer in seinem Artikel spekuliert, oder ob dies der planmäßige Abschluß dieses Abschnitts war, läßt sich aus den Romanen selbst nicht schließen, dafür gab es in den Heften 300 bis 499 zu viele überraschende Wendungen. Jedenfalls erhal-ten die Abenteuer Atlans auf Pthor einen Abschluß, der wesentlich überzeugender wirkt, als z. B. jener der “USO-Abenteuer”. Als wichtigster Kritikpunkt bleibt vor allem, daß auch dieser Abschnitt, wie schon so manch anderer, sehr viele Romane enthält, die man nur als Lückenfüller bezeichnen kann, da sie weder besonders originelle Schauplätze und Romanfiguren präsentie-ren, noch die Handlung voranbringen. Dies gilt z. B. für die Verschwörung der Robo-ter oder die magische Revolution in Moondrag.

18. Nachwort

Mit Heft 499 endet nicht nur dieser Kurzzyklus, sondern der gesamte Großzyklus um die Abenteuer Atlans als König von Atlantis. Die Erinnerungen des Arkoniden an Pthor sind bis zum aktuellem Handlungsstand in Rhodan-Heft 2240 im wesentlichen blockiert. Allerdings sind Algonkin-Yatta und der vom Kosmischen Kundschafter informierte Perry Rhodan, nicht die Einzigen, die über die Ereignisse auf dem neuen Atlantis zumindest grob informiert sind.
Erstmals durchbricht Atlan seine Erinnerungsblockade im Jahre 3561 n. Chr., während seiner Behandlung in der Zentralklinik von Gäa. Als er, nach der Katastrophe auf der Kolonialwelt Karthago II im August des Jahres, für mehrere Wochen dem Tode näher ist als dem Leben, verfällt der Unsterbliche in einen ungebremsten Erzählzwang und spricht von längst vergangenen und tief verdrängten Ereignissen in der Geschichte der Menschheit. Unter anderem berichtet Atlan, daß er im Jahre 1323 v. Chr. von ES geweckt wurde. Diesmal drohte eine schwere Katastrophe in der Ägais, über deren Natur Atlan nur rätseln konnte. Es hieß jedoch, daß es zu schweren Überschwemmungen und Verwüstungen entlang der gesamten Küste um das Binnenmeer kommen wird. Der Arkonide wurde von der Superintelligenz damit beauftragt, die Völker im östlichen Mittelmeer auf die Katastrophe vorzubereiten. Atlan rüstete daraufhin ein Schiff aus, die ARGOS und segelte mit dieser die Küsten entlang. In der Amazone Charis fand er eine Geliebte und im jungen König von Athen Theseus und dessen Kameraden um Jason neue Freunde, denen er nach seiner Rückkehr in die Tiefseekuppel das Schiff überließ. Auch auf Razamon traf Atlan bereits zu dieser Zeit. Von der Sicherheit der unterseeischen Anlagen aus, beobachtete der Arkonide später, wie eine riesige Landmasse scheinbar aus dem Nichts im Orbit der Erde erschien, sich auf das Meer herab senkte und landete. Von dieser fliegenden Insel strömte ein wahres Heer von Monstern, wie Zyklopen und Zentauren, auf die Erde und verwüstete die Mittelmeerregion. Atlan kann keine Erklärung für diese Vorkommnisse finden. Viele Jahrtausende später zieht Cyr Aescunnar aus den Worten des Arkoniden seine eigenen Schlüsse. Er vermutet, daß es sich bei dem Mittelmeer-Inferno, um eine vergessene Landung des Weltenfragments Pthor auf der Erde handelte. (PR-TB 217 bzw. Atlan-Hardcover 5)
Auf den Beserker Razamon war Atlan bereits im Jahre 1848 v. Chr. im Kampf mit den fliegenden Monden der Ter-Quaden erstmals getroffen. In diesem Zusammenhang wird zudem erwähnt, daß Razamon im Jahre 1492 n. Chr. unter den Namen Abu-el-Haul für das Königreich Granada, gegen die spanische Reconquista kämpfte und eine Tochter hatte. (Atlan-Hardcover 4)
Von Odin und den Odinssöhnen hört Atlan erstmals im Jahre 1264 v. Chr. als er sich zusammen mit Odysseus im südlichen Britannien aufhält. (Atlan-Hardcover 5).
Im Jahre 446 n. Chr. trifft er persönlich auf die Odinssöhne und freundet sich mit den Burgundern und vor allem mit Hagen von Tronje an. Mit Sigurd alias Siegfried verbinden ihn dagegen weniger Sympathien. Nach dem Untergang der Burgunder, beschließt Atlan blutige Rache an Attila, dem Hunnenkönig. (PR-TB 282 bzw. Atlan-Hardcover 8)
Am 20. Oktober 3583 n. Chr. stößt die SOL, die in der Galaxis Ganuhr Jagd auf Kleine Majestäten macht, auf ein Raumschiffwrack mit dem schwerverletzten Varben Koerlaminth an Bord. Bevor er stirbt, berichtet Koerlaminth, daß das Varben-Nest, das aus den Sonnensystemen Stammnest, Zweitnest und Letztnest bestehende Reich der Varben, von den Hulkoos bedroht wird. Die auffallende Gürtelschnalle des Toten weckt in Atlan Erinnerungen an Razamon, das neue Atlantis Pthor, die Schwarze Galaxis und an das Parraxynt. Jedoch ist der Schub an Erinnerungen nur von kurzer Dauer und Atlan weiß die Erinnerungsfetzen nicht einzuordnen. Der Solaner Olyssario, der die Gürtelschnalle entdeckte und den Arkoniden mit ihr konfrontierte, bittet Perry Rhodan um Aufklärung, der ihn an die Bordpositronik der SOL weiter verweist. Tatsächlich bekommt Olyssario von Seneca einen ganzen Container voll Datenmaterial, als er nach Details fragt. (PR-Heft 816)
Ein weiteres Mal wird der Arkonide an Pthor und seine damaligen Mitstreiter erinnert, als er sich während des Kampfs mit EVOLO im Jahre 3820 n. Chr. auf dem paradiesischen Planeten Siebenmond in Manam-Turu aufhält und vom Seher Ojujo mit Bil-dern und Visionen aus seinem bisherigen Leben konfrontiert wird. (Atlan-Heft 775)
Nur ein Jahr später in Alkordoom, als Reaktion auf eine eher unüberlegte Bemerkung Atlans hin, gibt der Parazeithistoriker Kingrolli - “Sohn” von Neithadl-Off und Goman-Largo - zu erkennen, daß er über die Geschichte des Dunklen Oheims informiert ist und deshalb von Atlan nicht als “Neffe” bezeichnet werden möchte. Außerdem sei der Dunkle Oheim zwar besiegt, aber nicht vernichtet. Zumindest Fragmente der negativen Superintelligenz haben das Duell mit Yephenas überdauert und lauern darauf, wieder aktiv werden zu können. (Atlan-Heft 847)